Beim Eintritt in den Kindergarten ist der Entwicklungsstand der Kinder teilweise enorm unterschiedlich. Manche sind schon sehr selbstständig, andere tragen dagegen noch Windeln. Unter diesen Voraussetzungen ist der Unterricht schwierig. Und mit der Verschiebung des Stichtags wird er noch schwieriger. Einige Kindergärtler werden im Sommer nur wenige Tage nach ihrem vierten Geburtstag in die unterste Stufe eintreten.

Vor ein paar Jahren wurden nur jene Kinder regulär eingeschult, die vor dem 30. April geboren wurden. Aufgrund der Harmonisierung der obligatorischen Schule ist dieser Stichtag verschoben worden – seit 2014 jedes Jahr um einen halben Monat. Nach den Sommerferien werden jene Kinder eingeschult, die zwischen dem 1. Juli 2013 und dem 15. Juli 2014 geboren wurden. Ab dem Schuljahr 2019 gilt dann der 31. Juli als Stichtag. Dabei soll es bleiben. Ab dann wird es im Kanton Zürich auch keine vorzeitige Einschulungen mehr geben.

Umfrage bestätigt Bedenken

Die SVP-Kantonsrätinnen Nina Fehr Düsel (Küsnacht) und Anita Borer (Uster) kritisieren die Verschiebung des Stichtags. Die längere Konzentration, aber auch die Eingewöhnung in den Klassen und auf dem Pausenplatz, sei für die jüngeren Kinder oftmals eine grosse Herausforderung. Nebst Eltern und Lehrpersonen würden auch Kinderpsychologen und -ärzte vor einem zu frühen Eintritt warnen: Zumal der Druck in den Schulen generell gestiegen sei und die Zeit für das freie Spielen immer kürzer werde.

Gestützt werden die Bedenken der beiden Kantonsrätinnen durch die Ergebnisse einer Umfrage, die der Verband Kindergarten Zürich (VKZ) und der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV) in den Zürcher Kindergärten durchgeführt haben. Eine der Erkenntnisse: In fast jeder Klasse gebe es ein Kind, das häufig weine, sich nicht von den Eltern lösen könne oder sonst durch kleinkindliches Verhalten auffalle. Dies sei auch eine Folge der früheren Einschulung. Fehr Düsel und Borer forderten deshalb den Regierungsrat auf, die Verschiebung des Stichtags für die Einschulung noch einmal zu überprüfen.

Regierungsrat relativiert

Der Regierungsrat sieht jedoch keinen Grund, am Stichtag 31. Juli zu rütteln. In seiner Antwort auf die kantonsrätliche Anfrage schreibt er, es könnten derzeit keine repräsentativen Aussagen darüber gemacht werden, inwiefern sich die veränderte Alterszusammensetzung in den Kindergärten auf die Aufgaben und Herausforderungen der Lehrpersonen auswirke. Zudem bestehe noch immer die Möglichkeit, den Eintritt in den Kindergarten um ein Jahr zu verschieben. Dies allerdings nur, wenn den zu erwartenden Schwierigkeiten nicht mit sonderpädagogischen Massnahmen zu begegnen sei. Und auch nur dann, wenn erwartet werden könne, dass das Kind den Entwicklungsrückstand bis im Folgejahr aufhole.

Den kommunalen Behörden, schreibt der Zürcher Regierungsrat, sei es bereits heute möglich, flexibel auf den Entwicklungsrückstand der Kinder und damit verbundene Gesuche der Eltern zu reagieren.