Zürich

Schokolade essen war gestern: Heute wird die Nascherei kreativ verwendet

Ein Model in einem Kleid aus Schokolade präsentiert sich auf dem Laufsteg. Keystone

Ein Model in einem Kleid aus Schokolade präsentiert sich auf dem Laufsteg. Keystone

«Ich will keine Schokolade», sang Trude Herr einst, «ich will lieber einen Mann.» Mit dieser Haltung fände Frau Herr derzeit in der Messe Zürich wenig Freunde. Am «Salon de Chocolat» dreht sich alles um Schokolade.

«Ich will keine Schokolade», sang Trude Herr einst, «ich will lieber einen Mann.» Mit dieser Haltung fände Frau Herr derzeit in der Messe Zürich wenig Freunde. Seit gestern Abend dreht sich in der Halle drei alles um Schokolade: am «Salon de Chocolat».

Den allerersten Salon durfte vor 20 Jahren Paris ausrichten. Seither tourt die Erfinderin Sylvie Douce (zu Deutsch: Süss) damit um die Welt. Warum diese – also die Welt – unbedingt eine Schokoladenmesse braucht, weiss eigentlich niemand. Aber die Idee hat offenbar Erfolg: Madame Douce ruft, die Confiseure von nah und fern kommen.

Verantwortlich für den Rummel ist ein unscheinbares Malvengewächs, auf das die spanischen Eroberer vor einem halben Jahrtausend in Mittelamerika stiessen: der Kakaobaum. Seine fermentierten und getrockneten Bohnen enthalten an die 300 Inhaltsstoffe, von Kakaobutter bis hin zu Spuren des Nervenhormons Dopamin. Bereits bei den Azteken waren Kakaobohnen derart wertvoll, dass sie auch als Zahlungsmittel dienten. Daran hat sich insofern bis heute nichts geändert, als dass Schokolade noch immer teuer ist, zumindest bei den Ausstellern des Salons.

Aber wer Billigware schätzt, hat hier sowieso nichts verloren. Ob kunstvolle Skulptur oder einfache Bruchschokolade, die Exponate sind edel – und zwar nicht nur diejenigen aus heimischen Produktionsstätten. Doch, doch, versichert die Dame von «chocMe» aus Budapest, die Schweizer würden ihre Schokolade sehr schätzen. Tatsächlich stellen ihre kunstvollen Tafeln diejenigen aus dem Supermarkt völlig in den Schatten. «Probieren Sie das hier, das ist mit Salz und Pekannüssen.» So geht das weiter, bis der Besucher sich nach einer Pause sehnt. Selbst Diabetiker bleiben nicht verschont: «Die hier ist ganz ohne Zucker.»

Wer nicht mehr essen möchte, degustiert beim deutschen Schnapsbrenner Eberle flüssig weiter eine Reihe von Schokoladelikören, die nicht zu verachten sind. «Das hier ist etwas für eine Herrenrunde», sagt der junge Mann am Stand, und schenkt einen Hochprozentigen ein. Mit Promille wartet auch der Zürcher Lokalmatador Honold auf – seien es Truffes mit torfigem Highland-Whisky oder Margarita-Pralinés mit flüssigem Inhalt. «Das müssen Sie ganz in den Mund stecken», warnt Chef-Confiseur Ivo Jud die neugierige Dame. Doch diese beisst hinein, und schon haben wir die Sauerei.

Schokomodels am Salon de Chocolat

Schokomodels am Salon de Chocolat

Bald wird deutlich: Wo am meisten probiert werden kann, steht auch die Kundschaft am liebsten. Und schliesslich ist der Salon de Chocolat eine Verkaufsmesse. «Die Leute kaufen nur, was sie probieren können», erklärt Jud. Dass nicht alle Stände diese Weisheit erhascht haben, erstaunt. Bei Läderach siehts aus wie am Hauptbahnhof: hohe Glasvitrine, dominantes Element ist die Registerkasse. Kundschaft: keine. Bei Sprüngli schauen immerhin ein paar interessierte Herrschaften dem Meister beim Truffes-Rollen zu.

Wer auch bei der Schokolade Wert aufs Aussehen legt, findet etwa auch essbare Handtaschen und Damenschuhe. Und die Confiserie Voland aus dem gottesfürchtigen Tösstal verkauft minimalistische Schoggihasen, die sowohl auf den ersten als auch auf den zweiten Blick stark an Sexspielzeug erinnern. Exotischster Aussteller ist aber zweifellos der ukrainische Fabrikant Roshen, dessen Besitzer Petro Poroschenki gerade als Staatspräsident kandidiert. In der Schweiz will er testen, ob seine Schokolade gut genug ist.

Damit man nicht pausenlos degustieren muss, bietet der Salon eine ganze Reihe von Vorträgen und Seminaren. Zudem wird täglich eine Modenschau gezeigt. Die Models tragen Kleider, in die irgendwie Schokolade hineinverarbeitet wurde – wobei sich dies dem Betrachter nicht auf den ersten Blick erschliesst. So viel vorweg: Wenig überraschend dominieren Braun-
töne.

Salon du Chocolat, Messe Zürich.
Freitag bis Sonntag von 10 bis 19 Uhr.

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