Wirtschaft
Schock für über 560 Mitarbeiter von General Electric im Aargau - ihnen droht die Kündigung!

Heute um 11 Uhr hat der amerikanische Konzern General Electric die Mitarbeiter am Standort Oberentfelden informiert: Ihre Jobs werden ins Ausland verlagert, vor allem nach Frankreich. Noch im Juli hatte man ihnen versprochen, sie könnten zum Standort Birr wechseln.

Patrik Müller
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Der Hauptsitz von Alstom Schweiz ist in Baden, hier arbeiteten 2015 noch rund 4200 Menschen.
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Alstom- und General-Electric-Fabriken im französischen Belfort: 2015 musste GE die französischen und europäischen Behörden in einer Anhörung davon überzeugen, dass die Übernahme zu genehmigen ist (Archivbild)
Ein Schweizer Alstom-Angestellter bei der Arbeit: Mit der Übernahme durch General Electric fürchteten sich viele Mitarbeiter um ihre Stelle. Zurecht, wie sie feststellen sollten. nd 1300 Jobs streichen.
General Electric (GE) baut 2016 1300 ehemalige Alstom-Stellen ab. Das ist rund jeder vierte Mitarbeiter jener Alstom-Stellen, die GE im November 2015 übernommen hat.
Zwei Monate nach der Übernahme von General Electric prangt noch immer das «Alstom»-Logo auf dem Gebäude.
General Electric / Alstom Chronologie
Ist er der Hoffnungsschimmer für die vom Alstom-Stellenabbau betroffenen Angestellten? Bundespräsident Johann Schneider-Ammann redete heute dem General-Electric-Chef ins Gewissen. (Archiv)
Rund 500 Personen bei einem Protest in Baden AG gegen den geplanten Stellenabbau bei General Electric.
Alstom-Fabrik in Birr im Kanton Aargau
Leuchtet weit über die Stadtgrenze hinaus: die Leuchtreklame von General Electric.
Leiser Abgang: Der ehemalige CVP-Bundesrat Joseph Deiss trat heimlich von seinem Amt bei der Schweizer Tochtergesellschaft von General Electric ab. (Archivbild)
Produktionsstätte von Alstom (seit November 2015 General Electric) im aargauischen Birr: Der Job-Abbau trifft hierzulande jeden vierten Mitarbeiter. Foto: Keystone/Gaetan Bally Produktionsstätte von Alstom (seit November General Electric) im aargauischen Birr: Der Job-Abbau trifft hierzulande jeden vierten Mitarbeiter. Foto: Keystone/Gaetan Bally
John Flannery (l.) übernimmt von Jeffrey Immelt (r.) den Chefposten bei General Electric. (Archiv)
General Electric
General Electric Baden
Rund 1400 Stellen fallen 2017 weg bei General Electric in der Schweiz. (Archivbild)
Standort Birr von General Electric GE Standort Birr von General Electric GE
GE Kahlschlag GE Kahlschlag Konnex-Gebäude in Baden. 1400 seiner 4200 Schweizer Stellen will General Electric GE im Aargau abbauen, Baden, 7. Dezember 2017

Der Hauptsitz von Alstom Schweiz ist in Baden, hier arbeiteten 2015 noch rund 4200 Menschen.

Wie General Electric, respektive die Sparte GE Grid Solutions, am Freitagmittag mitteilt, soll der Standort Oberentfelden nicht nach Birr verlagert, sondern aufgelöst werden. Es würden 436 Stellen in Oberentfelden wegfallen.

Dazu kommen noch die Arbeitsplätze von 126 Temporärangestellten. Laut Gewerkschaftsinformationen verlieren auch sie ihren Arbeitsplatz. Damit verschwinden total also 562 Arbeitsplätze.
57 Stellen würden in der Schweiz beibehalten. Diese Stellen stammten hauptsächlich aus den Bereichen F&E, Fulfilment, Commercial sowie Services zur Betreuung der installierten Basis in der Schweiz, schreibt GE.

Noch im Juli hatte GE den Mitarbeitern am Standort Oberentfelden gesagt, sie könnten mit ihren Jobs zum Standort in Birr wechseln. Das wurde aus Gewerkschaftskreisen bekannt. Dass dieses Versprechen nun nicht gilt, begründete GE mit einem grossen erwarteten Auftragsrückgang für 2021: ein Minus von etwa 30 Prozent.

Ob die Stellen nach Frankreich und andere Länder verschoben werden, wie kolportiert, dazu machte das Unternehmen in der Medienmitteilung keine Angaben. Wiederum aus Gewerkschaftskreisen ist zu hören, dass ein Grossteil der verbliebenen Aufträge vom Standort Oberentfelden verlagert wird nach Frankreich.

Diese Verlagerung nach Frankreich stösst in Oberentfelden auf besonders grosses Unverständnis. In der Schweiz ist man laut Gewerkschaftern der Ansicht, dass die Kollegen in Frankreich "es nicht bringen". Sprich, es fehle dort am nötigen Know-how und Fachwissen, um die verbliebenen Aufträge auszuführen. Diese Einschätzung stützt sich unter anderem darauf, dass kürzlich ein Projekt aus Frankreich nach Oberentfelden verschoben werden musste. "Weil sie es in Frankreich nicht geschafft haben."

Noch ist der Entscheid offenbar nicht definitiv. Die Massnahme liegt "zur Prüfung" beim Europäischen Betriebsrat des Konzerns. Das Unternehmen hält fest: Die endgültige Entscheidung (...) wird erst dann getroffen, wenn die Konsultationsverfahren des Europäischen Betriebsrats sowie auch auf lokaler Ebene in der Schweiz abgeschlossen sind. Damit wird Ende Jahr gerechnet.

Das Unternehmen will vom Stellenabbau Betroffenen eine interne Stellenvermittlung anbieten. Bei vergleichbaren Massnahmen hätten über 90 Prozent der Mitarbeitenden am Ende ihrer Anstellung eine neue Stelle gefunden.

Grund für den erneuten Stellenabbau seien düstere Zukunftsaussichen im Markt, vor allem im Bereich "gasisolierte Schaltanlagen".

Damit wird ein neues Kapitel geschrieben in der traurigen Geschichte, seit der amerikanische Grosskonzern General Electric vom französischen Riesen Alstom das Gasturbinengeschäft übernommen hat:

  • Mitte 2018 hatte GE angekündigt, dass in Oberentfelden 50 Stellen gestrichen würden. Die restlichen 500 würden im Frühling 2019 nach Birr verlegt, der Standort Oberentfelden werde aufgehoben.
  • Im Dezember 2019 enthüllte dann unsere Zeitung, dass GE das Areal in Oberentfelden verkauft hat. An das Transportunternehmen Dreier AG mit Sitz in Suhr. Die 500 Jobs würden nun doch nach Birr verlagert, allenfalls nach Turgi.
  • Im Februar 2020 hiess es dann: Das Werk in Oberentfelden „laufe sehr gut“, es sei voll ausgelastet und werde deshalb doch nicht geschlossen, die Arbeitsplätze würden nicht nach Birr verlegt.
    Und jetzt, heute Morgen, wurde an einer Mitarbeiterinformation erklärt, dass alles anders ist. Die Geschäfte laufen offenbar schlecht, die Jobs könnten nicht nach Birr verlagert werden, sondern würden wegfallen. Von Mitarbeiterseite her wurde die Information dahingehend gedeutet, dass Teile der Geschäfte nach Frankreich, Indien und China verlegt werden könnten, möglicherweise auch nach Italien.