Die Mobilität ist einer der schönsten Tummelplätze für Zukunftsfantasien, und der anschaulichste erst recht. Gestern gewährte die ETH Zürich einen Einblick in ihre Forschung, und es lag fast eine Spur Silicon Valley in der Luft, als eine Studentengruppe den Hochgeschwindigkeits-Prototyp «Swissloop Pod» vor den Medien enthüllte.

Das rund 50-köpfige Schweizer Studententeam wird Ende August am Finale eines Wettbewerbs in Los Angeles teilnehmen. Aus 1200 eingereichten Projekten wurden lediglich 27 ausgewählt. Den Wettbewerb ins Leben gerufen hat der Tesla-Gründer und umstrittene Visionär Elon Musk. Er will beweisen, dass es technisch möglich ist, Menschen mit einer Kapsel widerstandslos durch eine Vakuumröhre zu transportieren. Und zwar extrem schnell. Die Idee soll den Verkehr revolutionieren.

ETH-Studenten präsentieren Transportkapsel der Zukunft

ETH-Studenten präsentieren Transportkapsel der Zukunft

Der Hyperloop soll das Transportwesen revolutionieren: In Zukunft sollen Personen und Güter nahezu mit Schallgeschwindigkeit in einer Kapsel durch eine Vakuumröhre geschickt werden. Diese Vision hat der amerikanische Unternehmer und Investor Elon Musk. Um die Technologie auszureifen, organisiert er Ende August einen Wettbewerb unter Studierenden. Der Verein Swissloop, eine Gruppe aus Studenten der ETH und anderer Schweizer Hochschulen, wird mit seinem Prototyp des Hyperloops am Finale in Los Angeles teilnehmen. Am Donnerstagabend präsentierten die Studenten erstmals ihren "Escher" der Öffentlichkeit.

Das Ziel sind 400 km/h

Jetzt hofft der Maschinenbau-Student und Swissloop-CEO Luca Di Tizio (23), dass sie es ins «Grande Finale» schaffen, dass es ihre Version des Hyperloop Pods also auf das Podest schafft. Er muss dafür schneller sein, als die Pods der konkurrierenden Teams, und – ganz wichtig – auch wieder abbremsen können. Als Ziel haben sich die Studenten der ETH, von Fachhochschulen und der EPFL 400 km/h gesetzt.

Das System kann in Kalifornien zum ersten Mal in einer Vakuumröhre getestet werden. Diese wurde eigens für den Wettbewerb aufgebaut. In den realen Bedingungen liegt die Krux. Sie hätten bislang nur Teilsysteme physisch getestet, sagt Di Tizio, etwa geprüft ob die Kapsel stabil schwebt oder das Antriebssystem genug Kraft entwickelt. Dass jetzt alles gleichzeitig funktionieren soll, sei eine Herausforderung. Der Prototyp von Swissloop sieht aus wie ein springender Orka ohne Flosse. Er ist 3,5 Meter lang, hat einen Durchmesser von einem Meter und besteht aus Aluminium und Karbon. Nur 240 Kilogramm ist die Kapsel schwer. In der Zukunftsvision wird der Pod im Massstab vergrössert und hat Raum für 14 bis 20 Passagiere.

In einer Kapsel wie dieser sollen künftig 14 bis 20 Personen in 35 Minuten von Zürich nach Berlin reisen können.

In einer Kapsel wie dieser sollen künftig 14 bis 20 Personen in 35 Minuten von Zürich nach Berlin reisen können.  

Energie- und emissionslos

Die Studenten haben ihren Pod auf die Idee einer Vakuumröhre zugeschnitten, wie sie Elon Musk 2013 vorstellte. «Unser Modell wird in einem Magnetfeld schweben, und das in der Vakuumröhre», sagt Di Tizio. Im Gegensatz zu bekannten Magnetschwebezügen soll der Swissloop Pod aber komplett energie- und emissionslos funktionieren. An seinen Schienen sind Magnete angebracht, die etwa eintausendmal stärker sind als gängige Kühlschrankmagnete. Bei einem Tempo von 40 km/h bringen die Wirbelströme in den Aluminiumplatten den Pod zum Fliegen. «Darin besteht unsere Innovation», sagt Di Tizio. Am Wettbewerb in L. A. wird der Pod von einem Tesla angestossen, bis er die 40 km/h erreicht.

Swissloop-CEO Luca Di Tizio präsentiert den Hochgeschwindigkeits-Prototyp «Swissloop Pod» an der ETH.

Swissloop-CEO Luca Di Tizio präsentiert den Hochgeschwindigkeits-Prototyp «Swissloop Pod» an der ETH.  

In der Emissionslosigkeit liege der essenzielle Vorteil des Pods gegenüber allen anderen Transportmitteln, sagt Di Tizio. In 15 Minuten soll man mit dem Pod in der Vakuumröhre dereinst von Zürich nach Genf gelangen, in 35 Minuten von Zürich nach Berlin. «Die Kapsel eignet sich für eine Strecke von mindestens 100 und maximal 1000 Kilometern», sagt Di Tizio. Auf einer kürzeren Strecke könne sie nicht die optimale Geschwindigkeit erreichen, und bei einer längeren Strecke würden die Kosten für den Bau der Vakuumröhre zu hoch.

Wie viel ein Kilometer dieser Röhre tatsächlich kosten würde, ist noch eine Unbekannte in der Gleichung. «In etwa drei Jahren werden wir dazu mehr sagen können», sagt Di Tizio. Das Projekt selbst hat bis jetzt eine halbe Million Franken gekostet, hauptsächlich in Form von Sachleistungen von Sponsoren. Dabei handelt es sich um private Firmen wie Georg Fischer, Swisscom und Schindler.

Angesprochen auf Elon Musk, sagt Di Tizio: «Musk ist wohl der visionärste Mensch, den es derzeit gibt.» Alles, was er bis jetzt angepackt habe, habe er auch umsetzen können. «Ich hoffe, dass auch der Hyperloop eines dieser erfolgreichen Projekte wird.»