Stadt Zürich
Schnapsnasen aufgepasst: «Hotel Suff» ab sofort täglich offen

Die Zentrale Ausnüchterungsstelle (ZAS) der Stadt Zürich, auch «Hotel Suff» genannt, dehnt seinen Betrieb aus: Die Ausnüchterungszellen stehen ab sofort jeden Tag offen. So müssen keine Betrunkenen mehr auf Regionalwachen ausgenüchtert werden.

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Die Zentrale Ausnüchterungsstelle ZAS hat neu jeden Tag offen.

Die Zentrale Ausnüchterungsstelle ZAS hat neu jeden Tag offen.

Keystone

Bisher mussten schwer Betrunkene, die unter der Woche aufgegriffen wurden, in normalen Arrestzellen der Regionalwachen ihren Rausch ausschlafen. Dort ist aber normalerweise kein medizinisch geschultes Personal anwesend.

Ab sofort können Polizei und Sanität die Alkoholisierten auch unter der Woche in die ZAS bringen, wo sie medizinisch überwacht werden. Dies teilte die Stadt am Donnerstag mit. Die Ausnüchterungsstelle sei künftig täglich zwischen 22 und 12 geöffnet.

Kantonspolizei beteiligt sich

Neu beteiligt sich zudem die Kantonspolizei an der ZAS. Bisher war die Ausnüchterungsstelle eine rein städtische Angelegenheit. Ab sofort werden auch Betrunkene, die im Hauptbahnhof aufgelesen werden, in die ZAS gebracht. Dort ist der Kanton zuständig.

Wie Reto Casanova, Sprecher des Polizeidepartementes, auf Anfrage sagte, ist geplant, künftig auch Betrunkene aus der näheren Agglomeration aufzunehmen. Es gebe genügend Platz.

Als Gegenleistung dafür, dass er kein eigenes "Hotel Suff" aufbauen muss, bezahlt der Kanton die Differenz der Aufenthaltsgebühren zu den tatsächlich verursachten Kosten. Je nach Dauer kostet Ausnüchtern in der ZAS zwischen 600 und 950 Franken.

Die tatsächlichen Kosten, welche der Stadt entstehen, sind aber noch höher. Für die Differenz will der Kanton aufkommen. Zusätzlich übernimmt er jene Aufenthaltsgebühren, die von den Kantonspolizei-Kunden nicht beglichen werden. Die Erfahrung zeigt, dass etwa ein Viertel der Eingelieferten ihre Ausnüchterungs-Rechnung nicht bezahlen.

Neue Räumlichkeiten nötig

Bis 2015 wird die Ausnüchterungsstelle noch als Pilotbetrieb geführt. Dann soll die ZAS zur Zürcher Ausnüchterungs- und Betreuungsstelle (ZAB) werden. Allerdings dürfte es dann neue Räumlichkeiten brauchen, weil der Platz in der Polizeiwache Urania nicht für einen definitiven Betrieb ausreicht.

In den ersten zwei Betriebsjahren wurden in der ZAS pro Jahr rund 600 Personen betreut. Diese Zahl dürfte mit den erweiterten Öffnungszeiten stark ansteigen.