Der Traum aller Autofahrer, die in der Stadt einen Parkplatz suchen: Jederzeit zu wissen, wo ein Parkplatz frei ist, ohne mit Rundendrehen viel Zeit zu verlieren. Eine solche Lösung hat das Zürcher Start-up Parquery erarbeitet. Mit Hilfe von Kameras wird die Belegung von oberirdischen Parkplätzen eruiert. Die Bilderkennungs-Software der Jungfirma soll helfen, die Parkplatzbelegung in Städten zu optimieren und den Verkehrsfluss zu verbessern. Laut den Entwicklern kann mit der Software nämlich auch das Verkehrsaufkommen analysiert werden.

Autofahrer auf Parkplatzsuche, die teilweise mehrere Runden durch Quartiere und Innenstädte fahren müssen, beeinflussen den Verkehr beachtlich, so Andrea Fossati, Gründer von Parquery. Studien zeigen, dass rund 30 Prozent des Verkehrs durch Personen verursacht wird, die nach einer Parkmöglichkeit suchen. Die Software des Start-ups erhält Informationen über freie oder belegte Parkplätze. Die Idee dahinter: Kameras vor Ort liefern der Datenbank pro Minute rund ein Bild. Die Aufnahme zeigt, ob ein Parkplatz frei ist oder nicht. Der Automobilist erhält die Informationen über seinen Boardcomputer oder über Tafeln, die an Ortseingängen stehen.

«Handelt es sich um einen Parkplatz der zu einem Geschäft gehört, ist es möglich die Parkplatzbelegung in die Kundenapp des Ladenbetreibers zu integrieren», sagt Fossati. Handelt es sich bei den Klienten um städtische Institutionen, müsse die Kamerainstallation von den zuständigen Behörden bewilligt werden. Die Software des Zürcher Start-ups orientiert sich momentan an oberirdischen Parkplätzen. «Unser grösstes Projekt ist ein Parkplatz für 1000 Autos bei einem Supermarkt in Frankreich. Dort sind neun Kameras im Einsatz», sagt Fossati.
Für Parkhäuser scheint die Bildsoftware aber wenig geeignet. David Leuthold, technischer Leiter der Zürcher Parkhausbetreiberin Parking Zürich AG, sagt: «Diese Lösung ist nur dann interessant, wenn mit wenigen Kameras grosse Bereiche ersichtlich sind.» Mit dem Parkleitsystem habe man in der Stadt Zürich bereits eine geeignete Lösung.

Vom Parkplatz zur Tankstelle

Dennoch scheint die Firmenidee Potenzial zu haben: Erst vor wenigen Wochen hat die Firma in einer zweiten Finanzierungsrunde neue Investoren gewinnen können. Mit dem erhaltenen Geld will das Start-up seine Software-Lösung für Mobilität, Transport und Logistik erweitern. So arbeiten die Entwickler derzeit an einer Software für die Tankstelle der Zukunft zusammen mit einer portugiesischen Energiefirma.

Daneben betreiben die Unternehmer ihre rund 30 weltweiten Projekte aber weiter. Neben Städten in Kolumbien sowie Tel Aviv und Amsterdam arbeitet Fossati mit seinem Team derzeit in zwei Schweizer Städten am Einsatz der Bilderkennungs-Software. In Vevey und Locarno zumindest sei die Echtzeit-Parklösung bereits gut angekommen, wie Fossati sagt. Mit der Stadt Zürich habe man sich in der Vergangenheit ebenfalls ausgetauscht. Zu einer Kollaboration ist es bislang nicht gekommen.

«Die oberirdischen Parkplätze, von denen sich die wenigsten auf einer grossen Fläche befinden, stehen unter einem hohen Nutzerdruck», erklärt Heiko Ciceri, Sprecher der Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich. In anderen Worten: Der freie Parkplatz, der einem Autofahrer über Parquery angezeigt würde, wäre bis zum Erreichen des Ortes bereits durch einen anderen Automobilisten belegt. Im Zusammenhang mit Kameras muss laut Ciceri zudem der Datenschutz berücksichtigt werden.

Fossati ist dabei wichtig festzuhalten: «Wir machen keine Videoaufnahmen, sondern arbeiten mit Bildern. Nach der Informationsverarbeitung werden diese sofort gelöscht.» Zudem liefere ihre Software auch Informationen über ganze Stadtzonen. «Unterschiedliche Farben zeigen an, wo es abhängig von der Tageszeit mehr oder weniger einfach ist, einen Parkplatz zu finden.»