Sie surren, stechen und treiben so manch Geplagten an den Rande des Wahnsinns: Die blutsaugenden Mücken sind in den Sommermonaten wieder auf dem Vormarsch, doch diese Saison sticht im Vergleich zu den Vorjahren besonders hervor: Aufgrund des viel zu nassen Junis herrscht eine der schlimmsten Mückenplagen der letzten 30 Jahre. Das 100-Seelen-Dorf Ellikon am Rhein ist besonders betroffen. In der überschwemmten Auenlandschaft breiten sich die Mücken wie ein Lauffeuer aus.

Einwohner schildern gegenüber "TeleZüri" ihre Erlebnisse: "Meine Tochter und ich sind beide erschrocken, wir wurden regelrecht attackiert". Auch eine andere Frau berichtet von so vielen Mücken, dass man gar nichts dagegen tun konnte. "Hat man eine totgeschlagen, waren schon drei neue da."

Mücken plagen Zürcher Weinland

Mücken plagen Zürcher Weinland

Wegen dem viel zu nassen Juni ist es eine der schlimmsten Mückenplagen der letzten 30 Jahre. Hätte der Kanton im vorhinein Gift sprühen sollen?

Obwohl die Mückenplage absehbar war, schloss der Kanton präventive Massnahmen aus. Marthaler Gemeinderat Walter Nägeli ärgert sich über diesen Entscheid. "Wir wollen gleich behandelt werden wie alle anderen Kantone", stellt er vor der Kamera klar. Im Tessin oder Fribourg sei Gift gespritzt worden, negative Spätfolgen seien keine bekannt. Mit dem Gift hätte das Schlüpfen der Mücken verhindert werden können, ist er überzeugt.

Fünf Millionen Mücken auf zwölf Hektaren

Auch ETH-Mückenfachmann Peter Lüthy bezweifelt einen negativen Einfluss auf das Ökosystem. Stattdessen betont er die Schwere der vorhandenen Plage: Bei 12 Hektaren überschwemmten Gebietes können gemäss seinen Berechnungen etwa fünf Millionen Mücken schlüpfen. "Selbst wenn nur ein kleiner Teil davon nach Ellikon fliegt, haben wir ein riesiges Problem."

Das zuständige Amt für Landschaft und Natur gibt sich auf Anfrage von "TeleZüri" wortkarg. Es seien zu wenig Larven pro Liter Wasser gefunden worden, erklären sie den Entscheid gegen das Gift. Für Lüthy und die verzweifelten Einwohner ist das nur schwer nachvollziehbar.