Schlieren
Schlierens Abkehr von fossiler Wärmeenergie

Die Stadt Schlieren will den Wärme- und Kältebedarf auf städtischem Gebiet bis 2035 zu 60 Prozent durch erneuerbare Energieträger decken können. Dies hält der durch die Energiekommission erlassene kommunale Energieplan fest.

Florian Niedermann
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Schlieren will den Anteil an erneuerbaren Energieträgern und Abwärme in den nächsten 20 Jahren auf 60 Prozent steigern. (Symbolbild)

Schlieren will den Anteil an erneuerbaren Energieträgern und Abwärme in den nächsten 20 Jahren auf 60 Prozent steigern. (Symbolbild)

Keystone

Unter den erneuerbaren Energiequellen wird die Fernwärme, den grössten Anteil ausmachen. Gleichzeitig soll durch die Nutzung technischer Fortschritte in der Gebäudetechnik (Sanierungen und Ersatzbauten) der Wärmebedarf in diesem Zeitraum um 35 Prozent reduziert werden.

Der Energieplan dient den Behörden als Planungsinstrument zur Umsetzung der kommunalen energiepolitischen Ziele. Darin werden «Prioritäts-» und «Eignungsgebiete» für die zukünftige Wärme- und Kälteversorgung mit entsprechenden Umsetzungsmassnahmen festgelegt. Auf Prioritätsgebiet kann die Gemeinde Grundeigentümer nach dem kantonalen Planungs- und Baugesetz (PBG) dazu zwingen, ihr Gebäude «innert angemessener Frist» an die Fernwärmeversorgung anzuschliessen und Durchleitungsrechte zu gewähren.

Eignungsgebiete zeigen lediglich auf, in welchen Gebieten sich ein bestimmter oder mehrere Energieträger für die Wärmeversorgung in geeigneter Weise nutzen lassen. Dort sind keine Anschlussverfügungen durch die Gemeinde vorgesehen. Und schliesslich definiert der Energieplan auch «Optionen» – mögliche längerfristige Massnahmen – welche nicht durch kurzfristige Massnahmen verhindert werden sollen.

Konkurrenz zur Gasversorgung

Die Versorgung der Stadt mit Abwärme der Abwasserreinigungsanlage Werdhölzli wird seit 2004 durch den Energieverbund des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich (EWZ) gewährleistet. Gemäss dem damaligen Energieplan war die Nutzung von Fernwärme lediglich in den Gebieten nördlich der Zürcher-/Badenerstrasse erlaubt.

Der neue Energieplan erlaubt dies nun auch in den Quartieren südlich dieser Achse, welche bisher vor allem mit Wärmeenergie aus Gas beheizt wurden. Gesuche zum Anschluss an das Fernwärmenetz müssen jedoch von den Gebäudeeignern bei der Stadt eingereicht, und vom Gesamtstadtrat bewilligt werden.

Für Kleine lohnt sich der Wechsel nicht

Diese Neuerung führt gemäss Stadtrat Christian Meier (SVP), Mitglied der Energiekommission, zu einer Konkurrenzsituation zwischen Energieverbund und kommunaler Gasversorgung. Diese könne dazu führen, dass der Gaslieferant, die Erdgas Regio AG, einige gute Kunden verliere, wie Meier sagt. Gleichzeitig würde so auch der Preis für das Gas für die anderen Gasbezüger ansteigen, weil die Kosten für den Unterhalt der Leitungen auf weniger Konsumenten verteilt werden müssten.

Da es sich für den Energieverbund nicht lohnt, kleinere Gebäude an das Fernwärmenetz anzuschliessen, erwartet Meier aber vorerst keine sinkende Nachfrage beim Gas. Südlich der Zürcher-/Badenerstrasse würden wohl nur einzelne Eigner grosser Gebäude tatsächlich Gesuche für den Anschluss an das Fernwärmenetz stellen, so Meier.

Ausserdem verpflichtete sich der Stadtrat einem eigens erarbeiteten Energiekonzept 2009 auf eine mittelfristige Versorgungsstrategie, welche «die wirtschaftlichen Anliegen der Gasversorgung und die kommunalen Ziele für eine nachhaltige Wärmeversorgung auf Stadtgebiet berücksichtigt.»