Mehr als 11'000 Flüchtlinge harren immer noch in der nordgriechischen Zeltstadt Idomeni aus. Die Zustände sind chaotisch bis brutal. Über das Wochenende wurden rund 300 Flüchtlinge bei Ausschreitungen verletzt. Sie hatten versucht, die Absperrungen in der Nähe des Grenzübergangs Idomenis zu durchbrechen. Die mazedonische Polizei griff in der Folge mit Tränengas und Schlagstöcken ein. Selbst Kinder waren davon betroffen. Wie Marit Neukomm, Gründerin der Hilfsorganisation «Volunteers for Humanity», am Mittwochabend in der Sendung «Talk Täglich» sagte, habe die Polizei auch Gummischrotwaffen eingesetzt, mit denen sie wahllos zwischen die Zelte geschossen habe. «Etwa fünf Stunden lang wurde immer wieder geschossen.» 

Obwohl die Balkanroute geschlossen ist, versuchen die Menschen immer wieder, die Grenzzäune niederzureissen. «Diese Menschen kamen mit Hoffnung nach Europa», sagte Neukomm. Sie hätten ein Recht auf Asyl und Hilfe und dieses Recht werde ihnen verweigert. 

Warum reissen Flüchtlinge die Grenzen nieder?

«Das sind Verzweiflungstaten»

Auch die Schlieremer Flüchtlingshelferin Vanja Crnojevic hat das Leben in Idomeni vor Ort erlebt und ist bestürzt über die katastrophalen Zustände. Die Wut sei gross, sagte Crnojevic, Mitbegründerin der Hilfsorganisation «Borderfree Association», im «Talk Täglich». Sie brachte zudem ihre Frustration gegenüber der EU zum Ausdruck, die Angst in der Bevölkerung verbreite. «Es sind ganz normale Menschen», sagte sie. Auch das Gerücht, nur Männer würden nach Europa kommen, findet sie lächerlich. Zuerst seien die Männer gekommen, nun zögen aber auch ihre Frauen und Kinder nach. Jedenfalls bis nach Idomeni, denn weiter kommen sie zurzeit nicht.

Die Wut richtet sich gegen die EU

Die Wut richtet sich gegen die EU

Versorgung ist schwierig

Zu den Arbeiten der Helfer zählt neben Zeltaufbauten und Kochen auch das Einkaufen von Lebensmitteln und deren Verteilung unter den Notleidenden. 

Am schlimmsten stehe es um die Versorgung, sagte Crnojevic. Die nächste Möglichkeit, um Lebensmittel zu kaufen, liegt 20 Kilometer von Idomenie entfernt. Im Camp selber sei besonders am Anfang die Nahrung knapp gewesen, die Menschen hätten an extremem Hunger gelitten. 

Vanja Crnojevic kommentiert ein Foto

Vanja Crnojevic berichtet über die Verteilung von Gütern

Würden Lebensmittel verteilt, sei der Ansturm riesig und die Portionen verschwindend klein. Um grosse Anstürme zu verhindern, verfolgt Crnojevic mittlerweile eine neue Strategie: Sie vereinbart Treffpunkte mit einzelnen Familien, um diese mit Lebensmitteln versorgen zu können. (sm)