Zürich

Schicksalhafte Wendungen: «Wir sagten uns immer – nichts ist unmöglich»

Aus Begegnungen mit Menschen aus aller Welt haben Sandra Bühler (links) und Sandra Schmid ein Buch gemacht.

Aus Begegnungen mit Menschen aus aller Welt haben Sandra Bühler (links) und Sandra Schmid ein Buch gemacht.

Sandra Bühler und Sandra Schmid sind die Macherinnen eines Buchs über schicksalhafte Wendungen.

Schicksalhafte Wendungen gibt es wohl in jedem Leben. Doch oft redet man nicht darüber – und leidet vielleicht darunter. Sandra Bühler (29) und Sandra Schmid (27) taten das Gegenteil. Sie sprachen in den letzten Jahren während vielen Reisen Menschen auf der Strasse an und fragten direkt: Was hat dich im Leben am meisten geprägt? Zum Teil suchten sie auch gezielt, etwa nach Überlebenden der New Yorker Terroranschläge vom 11. September 2001, nach dem Musiker und Schauspieler Carlos Leal oder nach ehemaligen Verdingkindern. Entstanden ist daraus das kürzlich erschienene Buch «Menschen wie du und ich». Es ist ein Lese- und Bilderbuch mit eindrücklichen Lebensgeschichten und Porträtfotos. Und es ist das Werk zweier Freundinnen, die gemeinsam ihre Träume verwirklichen, seit sie sich vor rund 13 Jahren während der Lehre an der Berufsschule in Aarau kennenlernten.

Mit zwanzig gründeten sie gemeinsam eine Firma

Heute leben beide in Zürich in einer Wohngemeinschaft, zusammen mit Sandra Schmids Freund. Das klappe bestens, sagt Bühler und lacht. «Irgendjemand kocht immer.» Ihre Freundschaft sei etwas, das sie geprägt hat, fügt Schmid an. «Wir sagten uns immer: Nichts ist unmöglich.»
Schon während der Polygrafen-Lehre drehten sie zusammen Kurzfilme, schlenderten fotografierend durch Aarau. Aufträge für Hochzeitsfotografien ergaben sich. Mit zwanzig gründeten sie gemeinsam eine Firma, die nun wegen des Buchprojekts und ihrer Jobs beim Schweizer Fernsehen und der Swiss Life in den Hintergrund gerückt ist. «Wir sind beide Träumer, aber auch Macher», sagt Bühler. «Wir haben uns jeden Traum erfüllt», doppelt Schmid nach. «Wir pushen uns gegenseitig. Allein ist es schwieriger, an seinen Träumen festzuhalten.»

Plädoyer für die Offenheit

Ihr nun vollendetes Buchprojekt geht zurück auf eine Maturarbeit. Dahinter stecken auch für sie persönlich schicksalhafte Wendungen. Wichtig sei die daraus gewonnene Erkenntnis: «Mir ist aufgefallen, dass Menschen Berührungsängste haben, dass man sich bei Schicksalsschlägen oft nicht nachzufragen getraut», sagt Schmid beim Interview an ihrem WG-Tisch. «Die Menschen fühlen sich dann allein gelassen.» Und noch eine Erkenntnis ist ihr wichtig: Menschen nicht aufgrund von stereotypen Vorstellungen zu beurteilen, sondern auch mal hinter die Fassaden zu schauen, den Menschen eine Stimme zu geben.

Bei der Arbeit an ihrem Buch sei dies erstaunlich gut gelungen: «Wir wurden nach vielen Gesprächen umarmt.» Noch immer erhielten sie von Porträtierten Nachrichten, wonach das Reden wie Medizin gewesen sei. Schmid denkt etwa an Emanuel aus Kapstadt, der seine Kindheit als Sklave bei weissen Farmern verbracht habe. Auch in der Schweiz, wo sich die Menschen dem Klischee nach nicht so leicht öffnen, stellte die 27-Jährige fest: «Wenn du auf die Leute zugehst, merkst du, dass es eigentlich nur an dir selber liegt.» So ist das Buch der beiden Sandras letztlich ein hoffnungsvolles Plädoyer für die Offenheit, fürs miteinander Reden – und damit für eine Menschlichkeit, die im Alltag oft zu kurz kommt, obwohl sie viel bewirken kann.

Sandra Schmid und Sandra Bühler, Menschen wie du und ich, Stämpfli Verlag, Bern 2018.

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