Ihr fehlten gesetzliche Grundlagen für verdeckte Fahndungen und Scheinkäufe. Nach einer Gesetzesrevision sind diese Methoden seit zehn Monaten wieder erlaubt. Polizisten können sich also wieder als Drogenkonsumenten ausgeben, um Dealer zu überführen.

Seither hat die Stadtpolizei Zürich rund 120 Drogenscheinkäufe getätigt – vor allem, um sogenannte «Chügeli»Dealer zu entlarven. Die Strassenhändler heissen so, weil sie im Mund Kleinstmengen Kokain von rund 0,5 Gramm verstecken.

Doch trotz der Möglichkeit von Scheinkäufen ist es schwierig, die Chügeli-Dealer zu überführen. Fürchten die Koks-Händler, erwischt zu werden, schlucken sie die Kügelchen hinunter. «Um effektiv und effizient gegen den Strassendrogenhandel vorzugehen, ist meistens ein ganzes Massnahmenbündel notwendig», sagt Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich. Die Bandbreite reiche von der Personenkontrolle durch uniformierte Polizisten bis zu technischen Überwachungsmassnahmen wie demAbhören von Telefonen.

Auch in anderen Kantonen

Auch andere Polizeien setzten seit einigen Monaten wieder auf Scheinkäufe, allerdings weniger häufig als die Stadtpolizei Zürich. «Je nach Lage und Situation greifen wir darauf zurück. Das Schwergewicht der Betäubungsmittelbekämpfung liegt bei uns im Bereich des Grosshandels», sagt Peter Gill, Kriminalkommissär bei der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt.

Die Kantonspolizei Aargau macht nur sehr wenig Festnahmen mit Scheinkäufen. «Dies hat hauptsächlich damit zu tun, dass unsere Prioritäten bei der Bekämpfung der Einbruchskriminalität liegen und damit für die Fahndung nach Kleindealern nur noch wenig Ressourcen übrig sind», sagt Sprecher Bernhard Graser. Und überhaupt nicht auf Scheinkäufe setzt die Kantonspolizei Solothurn.

Freiheits- statt Geldstrafen

Die meisten Chügeli-Dealer stammen aus Nigeria. Die Stadtpolizei Zürich geht davon aus, dass mehrere Dutzend in der Stadt unterwegs sind. Ihre Hintermänner sind ebenfalls Westafrikaner. Zu befürchten haben die Chügeli-Dealer heute wenig. Da die Strassenhändler mehrheitlich Asylsuchende sind und nur mit wenig Kokain erwischt werden, kommen sie oft mit einer bedingten Geldstrafe davon – also mit rund 10 bis 20 Tagessätzen zu 10 Franken.

Allerdings wird sich dies wohl bald ändern. Zurzeit ist im Parlament eine Revision hängig, die vorsieht, dass die Gerichte künftig wieder bedingte oder unbedingte Freiheitsstrafen ab drei Tagen aussprechen können. «Gleichzeitig soll die bedingte und teilbedingte Geldstrafe, deren abschreckende Wirkung bezweifelt wird, abgeschafft werden», sagt Cortesi von der Stadtpolizei Zürich. Die Freiheitsstrafe soll also wieder stärker gewichtet werden. «Auch der Bundesrat ist mittlerweile überzeugt, dass kurze Freiheitsstrafen gewisse Straftäter besser vor weiterer Delinquenz abhalten als Geldstrafen.»