Zürich
SBB-Pannenserie: Verspätete Züge und verärgerte Pendler in Zürich

Zwei Kabelbrände im Zürichbergtunnel zwischen Stadelhofen und Stettbach am Mittwoch und ein Stromausfall am Donnerstag haben zu einem Chaos auf dem Zürcher S-Bahn-Netz geführt. Für Zehntausende von Pendlern wurde das Bahnfahren zur Geduldsprobe.

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Die SBB entschuldigts sich für Verspätungen

Die SBB entschuldigts sich für Verspätungen

Keystone

Nach zwei Kabelbränden am Vortag hatten Spezialisten der SBB in der Nacht auf Donnerstag die defekten Anlageteile im Zürichbergtunnel repariert. Dabei mussten rund 2 Kilometer Kabel neu verlegt werden. Kurz vor 6 Uhr waren die Arbeiten abgeschlossen und alles schien wieder zu funktionieren.

Doch eine Viertelstunde später war bereits wieder Schluss. Diesmal war es ein defekter Fahrleitungsschalter, der den Zugverkehr zwischen Stadelhofen und Stettbach erneut lahm legte.

Wegen des Stromausfalls blieben eine S3 und eine S9 im Tunnel stehen. Der eine Zug wurde mit dem Lösch- und Rettungszug abgeschleppt. Die Passagiere des zweiten wurden evakuiert und zu Fuss ins Freie geführt, wie SBB-Sprecherin Lea Meyer sagte.

Die S-Bahn-Züge mussten danach in Stadelhofen und Stettbach vorzeitig gewendet werden. Es kam zu Verspätungen von rund 15 Minuten. Kurz vor 8.30 Uhr konnte der Zürichbergtunnel beschränkt befahren werden. Ab 9.15 Uhr waren alle S-Bahnen wieder fahrplanmässig unterwegs.

Ein erster Schwelbrand übersehen

Dass grosse Chaos war nach dem ersten Kabelbrand am Mittwochmorgen ausgebrochen. Während Stunden verkehrten die S-Bahn-Züge zwischen Stadelhofen und Stettbach nur einspurig. Das führte zu Verspätungen, Umleitungen und Zugausfällen.

Am späteren Nachmittag schliesslich wurde im Tunnel ein weiterer Schwelbrand in einem Kabelkanal entdeckt. Dieser war aus unerklärlichen Gründen am Morgen übersehen worden, wie Bruno Stehrenberger, Leiter Betrieb und Mitglied der Geschäftsleitung Infrastruktur SBB, vor den Medien ausführte.

Dieser zweite Kabelbrand führte dazu, dass die Stellwerke nicht mehr bedient werden konnten. Die SBB war deshalb gezwungen, den S-Bahn-Betrieb zwischen Stadelhofen und Stettbach bis zum Betriebsschluss ganz einzustellen.

Dazu kam eine Stellwerkstörung in Effretikon, die im Grossraum Zürich zusätzliche Behinderungen im S-Bahn- und Fernverkehr brachte. So waren auf der Ost-West-Achse keine Umleitungsrouten mehr möglich, wie Stehrenberger erklärte. Zehntausende von Reisende seien davon im Feierabendverkehr betroffen gewesen.

Ereignisse genau analysieren

Stehrenberger räumte ein, dass die SBB in den vergangenen sechs Tagen nicht vom Glück begünstigt war. Begonnen hatte die Pechsträhne am vergangenen Samstag, als in Oerlikon ein Baukran auf einen Interregio stürzte. Am Mittwoch musste wegen einer Bombendrohung eine S5 Richtung Uster evakuiert werden. Am Donnerstag brannte zu allem Überfluss auch noch ein Güterwagen in Winterthur.

Bei all diesen Vorfällen handle es sich um Einzelereignisse, die in keinem direkten Zusammenhang stünden, sagte Stehrenberger. Für die Ursache der Schwelbrände hatte er keine plausible Erklärung. Es gelte nun zunächst eine genaue Analyse durchzuführen und daraus die nötigen Lehren zu ziehen.

Mängel bei der Kundenbetreuung

Über die sozialen Medien hatten sich viele Bahnreisende über die mangelhafte Kundeninformation beschwert. Diese sei tatsächlich nicht optimal gewesen, räumte Anton Häne, Leiter Verkehrsmanagement, ein. "Ich habe volles Verständnis dafür, dass bei Kunden, die zweimal von einer Störung betroffen waren, der Geduldsfaden gerissen ist."

Laut Häne hatte die SBB rund 50 Kundenbetreuer auf den Bahnhöfen im Einsatz. Das Problem sei jedoch gewesen, dass oft die Anzeigen nicht mit den Lautsprecherdurchsagen übereinstimmten. Das habe Reisende zusätzlich verärgert und verunsichert. "Daraus müssen wir lernen und besser werden", betonte Häni.