Betriebszentrale
SBB nimmt Betriebszentrale am Flughafen Zürich in Betrieb

Die SBB hat am Dienstag die Medien zum ersten Rundgang durch die neue Betriebszentrale (BZ) am Flughafen Zürich geladen. Der Zeitpunkt hätte nicht besser sein können: Wegen Pannen auf dem Schienennetz herrschte bei den Zugverkehrsleitern Hochbetrieb.

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Im Kommandoraum im dritten Stock des ehemaligen Swissair- und Skyguide-Gebäudes beim Flughafen Zürich herrscht Hektik. Gespannt sitzen Disponenten und Zugverkehrsleiter vor dem Mosaik von Bildschirmen, diskutieren angeregt und geben per Mausklick ihre Anordnungen in das Computersystem ein.

Der Dispositionsmonitor im Sektor Limmat ist durchzogen von vielen hellen Linien. «Kein gutes Zeichen», bemerkt Christian Tobler, Leiter des Kommandoraumes, auf dem Rundgang mit Medienleuten. «Je heller die Linien sind, desto mehr Turbulenzen gibt es draussen auf dem Schienennetz.»

Am Dienstagmorgen sind es gleich mehrere Störungen, die den nationalen Bahnverkehr und den Zürcher S-Bahn-Betrieb behindern und die Leute in der BZ Ost fordern. Zwischen Dietikon und Schlieren hat eine Lokomotive eine Fahrleitung heruntergerissen. Dazu blockiert zwischen den Zürcher Stadtbahnhöfen Stadelhofen und Stettbach ein Zug das Gleis. Zu allem Überfluss wird auch noch die Strecke Aarau-Brugg wegen eines Personenunfalls unterbrochen.

Störungen fordern Zugverkehrsleiter

«Theoretisch läuft der Zugverkehr automatisch, zum Beispiel das Stellen von Weichen und Signalen», sagt Tobler. Dann können sich die Leute in der Betriebszentrale auf das Überwachen des Zugverkehrs konzentrieren.

Doch den Normalfall gibt es im Bahnbetrieb nicht. Bei Störungen auf dem Schienennetz sei die «menschliche Komponente» nach wie vor gefordert, betont Tobler. Dann gelte es Probleme zu analysieren und schnelle Lösungen zu treffen. Manchmal seien auch «harte Entscheidungen» nötig. Bei grösseren Verspätungen müssen Zugverkehrsleiter innert kürzester Zeit entscheiden, ob sie Züge umleiten, vorzeitig wenden oder ganz ausfallen lassen wollen, damit die nachfolgenden die Verspätung wieder aufholen können.

Im vergangenen Dezember haben die ersten Dienste in der neuen BZ Ost ihre Tätigkeit aufgenommen. Im Endausbau wird ab 2016 der gesamte Bahnverkehr östlich von Brugg bis zum Bodensee und nach Chur sowie der Zürcher S-Bahn-Betrieb vom Flughafen Zürich aus ferngesteuert.

Laut Bruno Stehrenberger, Leiter Betrieb SBB Infrastruktur, ist die BZ Ost das eigentliche Herzstück im SBB-Bahnsystem. Rund ein Drittel des gesamten SBB-Bahnverkehrs werden von hier aus überwacht.

Schrittweise werden in den nächsten Jahren die bisher dezentral angesiedelten Fernsteuerzentralen der Ostschweiz und Zürich in acht so genannten Sektoren zusammengefasst und 480 Mitarbeitende integriert. Derzeit arbeitet rund die Hälfte davon am Flughafen Zürich. In das mit modernster Technik ausgerüstete Zentrum hat die SBB 33 Millionen Franken investiert.

Erster Bewährungstest bestanden

Die SBB verspricht sich von der Konzentration der Dispositions- Operations- und Informationsprozesse unter einem Dach einen besseren Kundennutzen. Dank modernster Technik soll die Pünktlichkeit der Züge trotz des prognostizierten Mehrverkehrs auf dem ohnehin stark belasteten Netz weiter gesteigert werden.

Den ersten Bewährungstest habe die BZ Ost am Dienstag gut gemeistert, freut sich Stehrenberger. «Wir hatten die Störungen schneller im Griff, als dies noch vor wenigen Jahren der Fall gewesen wäre.»

Mit der neuen Zentrale werden Betroffene auch schneller über Störungen und deren Auswirkungen informiert. Bahnreisende erhalten die Informationen von der Betriebszentrale bereits in den Zügen und nicht erst, wenn sie verspätetet am Bahnhof eintreffen.

Die BZ Ost ist eine von vier Betriebszentralen, von denen aus künftig der gesamte Schienenverkehr der Schweiz überwacht und dirigiert wird. Die BZ West in Lausanne hat bereits im Mai 2010 den Betrieb aufgenommen. Die BZ Süd in Pollegio TI ist im Bau. In Olten schliesslich beginnen im Frühjahr die Bauarbeiten für die BZ Mitte. Bisher wurde der Zugverkehr aus über 100 Fernsteuerzentralen aus geleitet.