Wo vor rund zwei Jahren noch nichts war, steht heute eine Überbauung mit 80 Wohnungen und Arbeitsplätzen für 720 SBB-Angestellte. «Westlink Plaza» haben die Bundesbahnen das neue Gebäude getauft. Es steht mitten in einem Zürcher Stadtquartier, dessen Gesicht sich wie kaum ein anderes verändert.

Fertiggestelltes Westlink Plaza, von den Gleisen aus gesehen

Fertiggestelltes Westlink Plaza, von den Gleisen aus gesehen

Die Gegend nördlich des Bahnhofs Altstetten war lange Zeit industrielles Niemandsland. Dann bauten Banken und andere Unternehmen erste Büroklötze. Nun zog mit den Mietern der SBB-eigenen Wohnungen erstmals Leben ins Quartier. Zwischen 1300 Franken für 56 Quadratmeter und 2960 Franken für 96 Quadratmeter pro Monat kosten die Wohnungen, die bereits alle bezogen sind. Damit gehören sie eher zu den günstigeren Objekten. Vor allem Singles und WGs hätten sich im neuen Wahrzeichen am Bahnhof Altstetten eingenistet, hiess es gestern bei einem Medienrundgang. Für Familien seien die Wohnungen bewusst nicht konzipiert worden. Nur vier der Wohnungen gingen an SBB-Mitarbeiter. Diese hatten ein Vorrecht bei der Wohnungswahl, bezahlen aber den normalen Mietzins.

SBB-Arbeitsplätze zentriert

Im November verlegen die SBB Hunderte ihrer über Zürich verstreuten Arbeitsplätze in die neuen Büros. Vertreten seien diverse Bereiche des Unternehmens, der Schwerpunkt liege aber bei der Infrastruktur, sagte Jürg Stöckli, Chef der SBB Immobilien.

Mit der neuen Überbauung erhält das Quartier auch eine neue Parkanlage: «Vulkanpark» wurde sie in Anlehnung an eine früher hier beheimatete Fabrik getauft, wie die Zürcher Tiefbauvorsteherin Ruth Genner erklärte. «Wir haben beim Bau in erster Linie an die Menschen gedacht, die künftig hier leben und arbeiten», sagte Genner, bevor sie symbolisch den letzten der noch unscheinbaren Bäume pflanzte. «Später soll es hier auch einen Markt geben», stellte sie in Aussicht, «oder zumindest ein Marronihäuschen». Um die Bäume herum führt die Endschlaufe der erst kürzlich verlängerten Tramlinie 4. Sie verbindet Altstetten mit Zürich West und gilt als Katalysator für die Quartierentwicklung.

Weitere Wohnungen geplant

Für die SBB ist damit erst eine von zwei Bauetappen beendet. Als Nächstes sollen zwei weitere Gebäude in Angriff genommen werden, ein hoher «Tower» und daneben ein «Kubus». Sie werden direkt an der Europabrücke stehen. Geplant waren sie ursprünglich als reine Bürogebäude. Nun streben die SBB eine Mischnutzung an: «Wir möchten im neuen Tower zwei drittel Wohnungen haben», sagte Stöckli. Im Januar will er bei der Stadt ein entsprechendes Gesuch einreichen. Den neu entstehenden Büroraum wollen die SBB voraussichtlich an Dritte vermieten: «Mit den nun fertiggestellten Räumen ist unser Bedarf vorerst gedeckt», so Stöckli.

Als eines der ersten Gebäude im Quartier kann das Westlink Plaza auf eine innovative Wärmeerzeugung zurückgreifen. Das EWZ betreibt unweit davon eine Energiezentrale. Aus Abwärme des benachbarten Swisscom-Rechenzentrums und Zugriff auf das Grundwasser wird dort Heizwärme für benachbarte Überbauungen. «Damit werden pro Jahr 1,2 Millionen Liter Heizöl eingespart», so Martin Bucher vom EWZ.