«Fankultur» – unter diesem Titel eröffnete das FCZ-Museum in Zürich vergangene Woche seine neuste Sonderausstellung. Museumsdirektor Saro Pepe verkörpert selbst ein Stück weit die jüngere Geschichte eingefleischter Fussballfans, die sich in der öffentlichen Wahrnehmung oft zu Unrecht in einen Topf geworfen fühlen mit einer Minderheit gewaltbereiter Randalierer. Und die dabei das verkannt sehen, worum es ihnen eigentlich geht: Fankultur eben.

Als Bub spielte Pepe Anfang der 1980er-Jahre bei GC. «Sie merkten dort aber schnell, dass ich nicht tschutten konnte», erinnert sich der heute 41-Jährige. Sein Fussballfieber erlosch vorerst einmal.

Bis ihn ein Freund 1990 in den Letzigrund mitnahm: FCZ gegen St. Gallen, Pausenstand 0:3, dann die Aufholjagd zum 3:3 – und in letzter Minute das 4:3 für St. Gallen. «Ein Höllenmatch. Und ein geiler Verein», fand Pepe. Gemeint war der FCZ.

Billettverkäufer im Letzigrundstadion

Kurz darauf wurde er für zehn Jahre Billettverkäufer im Letzigrundstadion, Kasse 18, Familiensektor. «Es waren die erfolglosen 1990er-Jahre. Man kannte sich», sagt Pepe über die Fangemeinde. Um die Jahrtausendwende eröffnete er mit Kollegen die «Flachpassbar» als Treffpunkt für FCZ-Fans nach Heimspielen, zunächst an der Dienerstrasse im Kreis4. Sie machte sich schnell einen Namen als szeniger Untergrund-Treff.

Die Hobby-Barbetreiber staunten nicht schlecht, als eines Tages der FCZ-Marketingchef auftauchte und ihnen anbot, das Stadioncafé im Letzigrund zu übernehmen.

Die «Flachpassbar» zog ins Stadion ein und wurde während vier Jahren zu einem Herzstück der FCZ-Fankultur – bis zum Abbruch des alten Letzigrunds im Jahr 2006.

Der Stadion-Abbruch sollte sich als Ausgangspunkt für Pepes nächsten unbeabsichtigt karrierefördernden Streich erweisen: Kurz vor dem Abbruch durften Fans Souvenirs aus dem Stadion mit nach Hause nehmen. Statt sich mit einem Stück Rasen zu begnügen, ging Pepe mit Kollegen in die verlassene FCZ-Geschäftsstelle im Letzigrundstadion.

Dort fanden sie, was ihre Fanherzen höherschlagen liess: alte Pokale, Postkarten, Akten und Meisterdiplome – Dinge, die die FCZ-Verantwortlichen im Abbruchobjekt zurückgelassen hatten.

Der neue FCZ-Präsident Ancillo Canepa kündigte zwei Jahre später an, er wolle die Vereinsgeschichte besser dokumentieren. Als 2009 nach der Champions-League-Qualifikation genug Geld vorhanden war, lancierte er das Projekt FCZ-Museum.

Sitzung mit Canepa

Pepe meldete sich mit Kollegen aus der Fanszene. Sie wurden von Canepa zu einer ersten Sitzung eingeladen. Aufgrund der Räumungsaktion im alten Letzigrund wussten sie, dass der Verein kaum Archivmaterial hatte.

Canepa platzierte daraufhin in einer Gratiszeitung einen Aufruf: Wer FCZ-Erinnerungsstücke habe, solle sich melden – und am nächsten Tag kamen Anrufe aus Altersheimen mit Nachrichten wie: «Grüezi, ich bin 95 und habe noch eine Kiste mit Erinnerungen an den FCZ auf dem Estrich.»

Pepe, der beim Schweizer Fernsehen als Archivar arbeitete, übernahm den Job, die Kisten zu sichten und abzuholen. Und er überzeugte die Vereinsverantwortlichen schliesslich, dafür eine Stelle zu schaffen. So wurde der Fan zum Museumsdirektor und FCZ-Archivar.

Das kleine Museum , das einen Stock über der FCZ-Geschäftsstelle nahe beim ersten FCZ-Stadion Utogrund liegt, ist inzwischen seit eineinhalb Jahren geöffnet. Rund 4000 Besucher hatte es bisher. «Es ist das erste Sportmuseum von Zürich», sagt Pepe, und ein gewisser Stolz scheint dabei mitzuschwingen.

Für die neuste Ausstellung leistete sogar die Stadt Zürich erstmals einen finanziellen Beitrag – und zwar die städtische Kulturabteilung. Ein erster Schritt in Richtung staatlicher Anerkennung der Fankultur, wie Pepe meint.