Das Zürcher Kongresshaus und die daran angrenzende Tonhalle sollen ab 2017 umfassend saniert werden. Die anstehenden Arbeiten sind aufwendig: Der Stadtrat rechnet mit einer dreijährigen Bauzeit, während der beide Häuser geschlossen bleiben. Das Tonhalle-Orchester weicht solange in die Maag-Event-Halle in Zürich West aus. Und die Kongresshaus-Betriebsgesellschaft will ihrer Kundschaft mit einem stark verkleinerten Team behilflich sein, während der Bauzeit andernorts in und um Zürich Kongresse zu veranstalten.

Die Kosten für die Sanierung veranschlagt der Stadtrat nun deutlich höher, als bislang beziffert. Vor zwei Jahren, als er den Grundsatzentscheid fällte, die Standortsuche für ein neues Kongresshaus aufzugeben, war von 140 Millionen Franken die Rede. Jetzt rechnet der Stadtrat mit Gesamtkosten von 239,45 Millionen Franken, wie Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP), Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne) und Hochbauvorsteher André Odermatt (SP) gestern bekannt gaben.

Teure Sanierung der Zürcher Tonhalle

Teure Sanierung der Zürcher Tonhalle

Hinzukommen jährliche städtische Beiträge von maximal 5,4 Millionen Franken, um Kongresshaus und Tonhalle kostendeckend zu bewirtschaften. Von den Mehrkosten betrifft nur ein vergleichsweise kleiner Anteil die die Sanierungsarbeiten. Sie werden nach vertieften Abklärungen neu auf 166,65 Millionen veranschlagt. Darin inbegriffen sind auch 1,65 Millionen, mit denen die Akustik der Maag-Event-Halle, dem künftigen Tonhalle-Provisorium, verbessert werden sollen.

Entschuldung geht ins Geld

Stark ins Gewicht fällt die Entschuldung der geplanten neuen Trägerschaft von Tonhalle und Kongresshaus. Bisher waren beide Gebäudeteile Eigentum der privatrechtlichen Kongresshaus-Zürich-Stiftung. Diese wird neu in eine öffentlich-rechtliche Stiftung umgewandelt, wie der Stadtrat im vergangenen April beschloss. Die Oberaufsicht wird der Gemeinderat haben. Gestern präsentierte der Stadtrat die detaillierte Rechnung dazu: Sie beläuft sich auf insgesamt 72,8 Millionen Franken, die für die Entschuldung der Kongresshausstiftung nötig sind. Davon entfallen 56,8 Millionen auf frühere Sanierungsdarlehen der Stadt, die diese nun definitiv abschreibt. 16 Millionen sind Bankschulden, die die Stadt übernimmt.

Hintergrund ist der sogenannte Kongresshaus-Skandal aus den frühen 1980er Jahren. Bei der damaligen Kongresshaus-Sanierung liefen die Kosten völlig aus dem Ruder. Als Folge davon schleppte die Kongresshausstiftung über Jahrzehnte besagte Schuldenlast mit sich herum. Im Gegenzug zum Schuldenschnitt erhält die Stadt nun das Land, auf dem der Gebäudekomplex steht. Der Schnitt soll auch einen Neuanfang erleichtern: «Wenn man Schulden hat, verliert man den Mumm, gute Projekte zu machen», sagte der scheidende Kongresshaus-Stiftungspräsident Alfons Sonderegger. Und fügte an: «Es wird nicht ein Superhaus. Aber wir werden die Funktionalität verbessern können.» So werde die 1895 eröffnete Tonhalle bessere rückwärtige Räume für die Musiker erhalten. Zudem sollen der Brandschutz verbessert und die Erdbebensicherheit an heutige Vorschriften angepasst werden.

Beim Kongresshaus, das im Hinblick auf die Landesausstellung 1939 erbaut wurde, sollen ebenerdig in Richtung See zwei neue Säle hinzukommen. Zudem soll die ursprüngliche Architektur wieder besser zur Geltung kommen. Dafür wird der in den 1980er-Jahren auf dem Vorbau Richtung See aufgestockte Panoramasaal abgebrochen. An seiner Stelle soll eine öffentlich zugängliche Restaurant-Terrasse entstehen.

Für den ebenerdigen Anbau ist noch eine Umzonung nötig. Über die Gesamtkosten von knapp 240 Millionen Franken wird zunächst der Zürcher Gemeinderat befinden. Im Juni 2016 soll die Vorlage vors Volk kommen. Und im August 2020, zum 125-Jahr-Jubiläum der Tonhalle, ist die Wiedereröffnung von Tonhalle und Kongresshaus vorgesehen.