Schleinikon
Sabotage ohne Ende: Unbekannte zerstören Pflanzen mit Batteriesäure

Vergiftete Rebstöcke und Sträucher und ein Einbruch – seit Jahren wird der Schleiniker Hans-Ulrich Brechbühl im Wehntal immer wieder Opfer von Sabotageakten. Nun setzt er eine Belohnung von 5000 Franken für die Ergreifung der Täterschaft aus.

Cyprian Schnoz
Drucken
Teilen
Das Gift hat die meisten Blätter dieses Zierstrauchs zum Absterben gebracht. Hans-Ulrich Brechbühl befürchtet, dass die Pflanze und zahlreiche andere in seinem Garten eingehen werden.

Das Gift hat die meisten Blätter dieses Zierstrauchs zum Absterben gebracht. Hans-Ulrich Brechbühl befürchtet, dass die Pflanze und zahlreiche andere in seinem Garten eingehen werden.

Cyprian Schnoz

«Es ist extrem. Noch nie in meinem Leben habe ich so etwas erlebt», sagt der 67-jährige Hans-Ulrich Brechbühl. Er ist schwer bedrückt. Der oder die bisher unbekannten Täter haben kürzlich in seinem Garten in Schleinikon im Wehntal mit Gift die meisten seiner Gartensträucher rund um sein Mehrfamilienhaus beschädigt. Einige sind am Absterben, andere bereits tot.

«Es sind teure Pflanzen», sagt Brechbühl und zeigt auf einen gut zwei Meter hohen verdorrten Baum in einem Topf. Für diesen Echten Lorbeer und für viele andere gibts wohl keine Rettung mehr. Dass es sich nicht um eine natürlich auftretende Pflanzenkrankheit handelt, zeigt sich daran, dass die unterschiedlichsten Arten grosse Schadstellen aufweisen – von der Thujahecke über diverse Lorbeersorten und Ziersträucher bis hin zu Fichten. Für die Vergiftungsaktion muss die Täterschaft praktisch rund ums Haus gelaufen sein.

Ihm gehe es nicht ums Geld. Vielmehr sei da ein mulmiges Gefühl, was denn noch passieren könnte, sagt Hans-Ulrich Brechbühl. Die Angriffe erfolgen nämlich schon seit 2014 – jedoch in zunehmender Intensität. Und letztes Jahr haben sie eine neue Dimension erreicht. In Brechbühls Weinberg in Stadel brach die Täterschaft gewaltsam in sein Rebhaus ein, richtete Sachschaden an und stahl einige Flaschen Wein. Doch das Schlimmste: Vierzig Rebstöcke wurden vergiftet. Und zwar jene, die sich auf der Parzelle unmittelbar neben der Zufahrtsstrasse befinden.

Der gesamte Sachschaden in Stadel belaufe sich auf rund 12 000 Franken, erklärt der selbstständige Landwirtschaftsberater. Es sei nicht nur der finanzielle Schaden, den er tragen müsse. Die Angriffe würden ihm viel Arbeit verursachen. Die 40 abgetöteten Rebstöcke habe er inzwischen ersetzt. «Doch es dauert vier Jahre, bis sie Früchte tragen», erklärt Brechbühl, der sich als «Winzer aus Leidenschaft» bezeichnet. Rund zwanzig Prozent seiner Arbeitszeit investiert er denn auch in seine Reben.

Das gleiche Gift

«Ich habe in einem spezialisierten Labor Erdproben untersuchen lassen», sagt der Schleiniker. Das Resultat: Sowohl im Stadler Rebberg als auch im Schleiniker Hausgarten hat man dieselbe Giftsubstanz gefunden. «Es handelt sich um Batteriesäure», sagt Brechbühl. Diese Schwefelsäure wirkt stark ätzend und kann auch bei Menschen zu schweren Verbrennungen führen. Gelangt sie in ein Gewässer, können die darin lebenden Tiere verenden.

Sowohl bei der Straftat in Stadel als auch bei jener in Schleinikon hat Brechbühl bereits im Juli 2015 und im April 2017 Anzeige gegen Unbekannt bei der Kantonspolizei erstattet. Wie Mediensprecher Marc Besson auf Anfrage erklärte, hat die Kantonspolizei an die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland rapportiert. Diese wiederum hat das Verfahren inzwischen eingestellt. Die Täterschaft habe nicht ermittelt werden können, erklärte die Kommunikationsbeauftragte Corinne Bouvard.

Nach dem erneuten Vorfall will Hans-Ulrich Brechbühl nur eines: «Das muss jetzt endlich aufhören.» Deshalb setzt der Schleiniker eine Belohnung in Höhe von 5000 Franken aus für Hinweise, die zur Ermittlung der Täterschaft führen. Der Schleiniker hofft, dass jemand etwas gesehen oder gehört hat.

Aktuelle Nachrichten