Bundesgericht

S-Bahn-Schubser klagt vergeblich – und muss in der Klinik bleiben

Das Bundesgericht lehnt die Beschwerde des Mannes ab. Keystone

Das Bundesgericht lehnt die Beschwerde des Mannes ab. Keystone

Der Mann, der einen Schüler gegen eine fahrende S-Bahn gestossen hat, bleibt in einer psychiatrischen Klinik.

Die Gerichte müssen sich nicht nochmals mit der Tat beschäftigen, die vor zwei Jahren die Öffentlichkeit entsetzte. Am 4. September 2014 um 7.45 Uhr stiess ein damals 54-jähriger Mann einen 14-jährigen Schüler gegen eine in den Bahnhof Horgen Oberdorf einfahrende S-Bahn.

Zum Glück konnte der Jugendliche sich am Zug abstützen. Er wurde einige Meter mitgerissen und fiel zurück auf den Perron. Ausser leichten Verletzungen blieb er unversehrt. Dank Zeugenaussagen konnte der Täter bald verhaftet werden. Im Zuge der Ermittlungen zeigte sich, dass der Mann zuvor bereits mehre Vandalenakte begangen hatte. So verwüstete er die gemietete Wohnung in Richterswil, riss das Türchen vom Briefkasten am Gemeindehaus Richterswil ab. In Zürich beschädigte er ein Baustellenfahrzeug und zerschlug mit einer Bierflasche eine Glasscheibe.

Schizophrenie und Alkohol

An der Verhandlung vor Bezirksgericht im Juni 2015 stand vor allem der Angriff gegen den Schüler im Zentrum. Wegen Gefährdung des Lebens wurde der Mann verurteilt, jedoch schuldunfähig gesprochen. Psychiatrische Gutachten diagnostizierten bei ihm eine chronische paranoid-halluzinatorische Schizophrenie. «Die Gefahr erneuter Straftaten bestehe aufgrund einer lange dauernden psychischen Störung erheblicher Schwere», heisst es da. Zudem wurde eine Alkoholsucht festgestellt. Der Verurteilte wurde in die geschlossene Klinik Rheinau eingewiesen.

Gegen dieses im April vom Obergericht bestätigte Urteil reichte der heute 56-Jährige Beschwerde vor Bundesgericht ein. Er forderte die Aufhebung aller Schuldsprüche wegen der Vandalenakte und des Angriffs gegen den Jugendlichen am Bahnhof aus Beweismängeln. Vor allem verlangte der Mann, dass er erneut psychiatrisch abgeklärt werde. Denn der eigentliche Grund für seine Taten sei Angetrunkenheit (minimal 2,75, maximal 4,28 Promille) gewesen, nicht Schizophrenie.

Da er sich unterdessen als von der Alkoholsucht befreit sieht, stelle er keine Gefahr mehr dar und müsse auch nicht mehr stationär in der Klinik behandelt werden. Das Bundesgericht kommt aber zu einem anderen Schluss. Es sieht keine Mängel in der Beweisführung, die zur Verurteilung führten. «Der Beschwerdeführer verkennt, dass die Kognition des Bundesgerichts auf dem Gebiet der Beweisführung auf Willkür beschränkt ist. Er zeigt nicht auf, inwiefern die vorinstanzliche Beweisführung willkürlich sei», schreibt das oberste Gericht.

Keine neue Abklärung

Auch ein neues psychiatrisches Gutachten lehnt es ab: «Aus dem Gutachten ist zu schliessen, dass die Experten alleine schon aufgrund der diagnostizierten Schizophrenie, ungeachtet der hinzukommenden Alkoholabhängigkeit, eine stationäre Massnahme als erforderlich ansahen.»

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