Carsharing
Rund 6000 Parkplätze einsparen - dank «Mobility-Flex»

Neben Firmen können auch Gemeinden oder Wohnsiedlungen einen Carsharing-Standort einrichten.

Lina Giusto
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GAETAN BALLY

Wer bislang ein Mobility-Auto mieten wollte, war darauf angewiesen, dass einen solchen Carsharing-Standort in seiner Nähe gab. Nun könnte sich das Netz von Mobility aber verdichten. Neu können neben Firmen auch Gemeinden oder Genossenschaften einen Carsharing-Standort einrichten. Das Angebot nennt sich «Mobility-Flex» und wurde von der gleichnamigen Autoverleih-Genossenschaft Anfang Juni lanciert.

Die drei Wohnbaugenossenschaften Sunnige-Hof, Mehr als Wohnen und Milchbuck in Zürich nutzen einige der wenigen zur Verfügung stehenden Parkplätze auf ihren Siedlungsarealen als Standorte für ein oder zwei Fahrzeuge des Schweizer Autoverleihers Mobility.

Genossenschafter der drei Wohnsiedlungen profitieren finanziell von den nahegelegenen Mietautos. Durch das Angebot der Siedlungen werden die Anwohner nämlich zu schweizweiten Mobility-Abonnenten, ohne dass sie einen Mitgliederbeitrag entrichten müssen. Neben den finanziellen Gründen und den knappen Parkplatzressourcen auf dem Stadtgebiet spielen mehrheitlich ökologische Überlegungen eine zentrale Rolle bei der Wahl eines solchen Mietmodells.

«Der Auftraggeber muss lediglich den Parkplatz bereitstellen, wir kümmern uns um das Fahrzeug, das Buchungssystem und die Versicherungen.»

Patrick Eigenmann, Mobility-Sprecher

35 Prozent weniger Energie

So können pro Mobility-Auto vor der Haustür rund zehn private Fahrzeuge eingespart werden. Dies rechnet die Hochschule Luzern in einer entsprechenden Studie vor. Ein Carsharing-Standort in einer Wohnsiedlung kann damit als direkter Beitrag zur 2000-Watt-Gesellschaft betrachtet werden. Dafür haben sich mehr als 75 Prozent der Stadtzürcher Stimmberechtigten 2008 ausgesprochen.

Genau an diesen Punkten setzt das neue Angebot für Firmen, Gemeinden und Wohnüberbauungen des Carsharing-Anbieters an. Denn wie die Zahlen der Hochschule Luzern belegen, hat die Nähe zum Standort eines solchen Mietwagens einen direkten Einfluss auf die Umwelt. Was übersetzt bedeutet: Wenn das Mietauto innerhalb von 100 Metern erreichbar ist, spart ein Stadtbewohner rund 32 Prozent Energie und reduziert gleichzeitig den Ausstoss von Treibhausgasen um 38 Prozent.

Noch sparsamer sind laut der Studie Anwohner, die neben dem Autobillett über ein Abonnement der öffentlichen Verkehrsbetriebe verfügen. Dann nämlich kann der Energieverbrauch um 35 Prozent und die Treibhausgasemissionen um mehr als die Hälfte reduziert werden. Neben den drei Zürcher Wohnsiedlungen hat auch die Zürcher Kantonalbank (ZKB) Mobility-Fahrzeuge in Zürich gemietet. Das Carsharing-Angebot jedoch gilt nur für Dienstfahrten der für sie arbeitstätigen Kundenberater.

35

Prozent des Energieverbrauchs kann eingespart werden, wenn der Carsharing-Standort innerhalb von 100 Metern erreichbar ist.

Verantwortung auslagern

Keine eigene Autoflotte finanzieren zu müssen hat für Firmen Vorteile. Zudem kann mit einer tieferen Anzahl an verfügbaren Dienstwagen, deren Auslastung maximiert werden. Kurz: Die Kosten für Fahrzeuge und Fahrten mit Carsharing sind tiefer. «Während bei Firmen die Nutzung von Carsharing mehrheitlich finanzielle Beweggründe haben mag, ist für Gemeinden und Wohnsiedlungen der verkehrsreduzierende und damit ökologische Aspekt spielentscheidend», sagt Patrick Eigenmann, Sprecher von Mobility. Derzeit nutze noch keine Zürcher Gemeinde das neue Angebot.

Doch der Mobility-Sprecher zeigt sich hinsichtlich der allgemeinen Nachfrage nach Carsharing-Standorten zuversichtlich: «Der Auftraggeber muss lediglich den Parkplatz bereitstellen, wir kümmern uns um das Fahrzeug, das Buchungssystem und die Versicherungen», sagt Eigenmann. Allein in der Stadt Zürich würden dank Carsharing mehr als 6 000 Parkplätze eingespart, was in etwa 22 Fussballfeldern entspricht.