Als der Kanton Zürich im Juni 2014 die Eröffnung der Durchmesserlinie der S-Bahn feierte, machten die Bewohner Wipkingens lange Gesichter. Mit der Eröffnung des Milliardenbauwerks wurde ihr S-Bahnhof zurückgestuft und verlor auf einen Schlag zwei Drittel der S-Bahn-Linien. Statt sechs Züge pro Richtung gilt heute nur noch der Halbstundentakt. Das ist dem Quartierverein ein Dorn im Auge. Er kämpft für die Wiedereinführung des Viertelstundentaktes. Im Kantonsrat war die Forderung ebenso ein Thema wie in der regionalen Verkehrskonferenz Zürich. Dieses Gremium aus Gemeinderäten und Quartiervereinen unter der Leitung von FDP-Stadtrat Andres Türler unterstützt die Forderung. Selbst der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) anerkannte 2014, dass Wipkingen im Prinzip einen Viertelstundentakt haben sollte. Doch betrieblich sei das Anliegen nicht umsetzbar.

Ende 2015 schöpfte der Quartierverein neue Hoffnung. Er brachte nach Berechnungen eines Verkehrsplanungsbüros die Idee einer Verlängerung der S25 oder des Regio-Express von Chur an den Hauptbahnhof über Wipkingen an den Flughafen oder nach Wallisellen in die Runde. Der ZVV reagierte wohlwollend und reichte das Anliegen beim Bundesamt für Verkehr (BAV) zur Prüfung ein. Dieses ist für die Planung neuer Angebote zuständig.

Der Bund hat die Pläne nun allerdings beerdigt. Ende letzten Jahres informierte er den ZVV über das negative Prüfergebnis. Ohne Anpassungen der Infrastruktur sei die Idee nicht umsetzbar, heisst es beim BAV. Solche stehen zurzeit nicht zur Diskussion.

Der Quartierverein wehrt sich gegen das Ergebnis. «Die Antwort des BAV war ohne nachvollziehbare Begründungen und zu pauschal», sagt AL-Kantonsrätin und Quartiervereins-Vorstand Judith Stofer. Der Quartierverein verlange Einsicht in die Entscheidungs- und Planungsgrundlagen des BAV. Mit einem eingereichten Öffentlichkeitsgesuch beim Verwaltungsgericht will der Verein die Einsicht erzwingen. Eine Antwort ist ausstehend. Zudem sei der Quartierverein daran, sich mit anderen Akteuren zu vernetzen, sagt Stofer. Vom ZVV erwarte man keine grosse Hilfe. Er bewege sich nicht, wenn er nicht müsse, sagt Stofer. Zudem schwele zwischen dem Bund und dem ZVV noch ein Streit wegen des geplanten Ausbaus des Bahnhofs Stadelhofen. «Das Erfolgsprojekt öffentlicher Verkehr», sagt Stofer, «wird durch die Unflexibilität von Ämtern und Streitigkeiten zwischen ihnen langfristig an die Wand gefahren.»