Holzfäller-Methoden
Rot-grüne Stadt Zürich lässt 304 Bäume fliegen

Per Helikopter befördert die Stadt Zürich seit gestern 304 Bäume aus ihrem Wald am Adlisberg. Das erscheint nicht gerade ökologisch, ist aber nach Angaben von Grün Stadt Zürich eine «Investition in den Naturschutz».

Matthias Scharrer
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Passanten an der Witikonerstrasse in Zürich bietet sich seit gestern ein ungewohnter Anblick: Im Minutentakt fliegt ein Helikopter über die Strasse - mit beachtlichen Baumabschnitten im Schlepptau. Während drei Tagen lässt er die Rotoren rattern, um insgesamt 304 Bäume aus dem steilen Gelände am Abhang des Adlisbergs zu fliegen. Pro Stunde verbraucht der Helikopter 320 Liter Kerosin, wie Regina Wollenmann erklärt. Wollenmann ist bei Grün Stadt Zürich für den Stadtwald zuständig. Ihre Abteilung gehört zum Tiefbau- und Entsorgungsdepartement, das von Ruth Genner geführt wird. Genner sollte als frühere Präsidentin der Grünen Partei Schweiz eigentlich eine Art ökologisches Gewissen des rot-grün dominierten Zürcher Stadtrats sein. Doch wie ökologisch sind ihre Holzfäller-Methoden?

Nicht ganz alltäglicher Holzschlag

«Die Helikopter-Transporte sind ein Verfahren, das man einsetzt, wenn es gar nicht anders geht», sagt Wollenmann. Es handle sich um einen nicht ganz alltäglichen Holzschlag: Das Gelände sei steil, schwer zugänglich, und die hindurchführende Witikonerstrasse eine viel befahrene Kantonsstrasse, die man nicht einfach für drei Tage sperren könne.

Die alten Bäume - Buchen und Eschen - müssen laut Wollenmann gefällt werden. Zum einen, weil ansonsten der Hang abzurutschen drohe und die Strasse durch umstürzende Bäume blockiert werden könnte. Zum anderen, damit das Waldstück am nahen Bach lichter werde. Dies fördere die Artenvielfalt. So gesehen sei die Holzschlagaktion eine «Investition in den Naturschutz», sagt Wollenmann.

Nicht kostendeckend

Sie kostet insgesamt 80 000 Franken, wie Revierförster Emil Rhyner vor einer Gruppe Interessierter im Rahmen einer öffentlichen Führung ergänzt. Pro Kubikmeter Holz ergeben sich damit gemäss Rhyner Kosten von 200 Franken. Der Verkaufspreis des Holzes läge bei 50 Franken pro Kubikmeter.

Damit ist die Aktion alles andere als kostendeckend. Das Holz wird laut Wollenmann teils im Zoo Zürich sowie in städtischen Werkhöfen verheizt. Ein anderer Teil werde an Sägereien verkauft oder zu Industrieholz verarbeitet.

Rund 9000 Kubikmeter Holz fällt die Stadt Zürich gemäss Wollenmann jährlich in ihren Wäldern. Hinzukomme der Holzschlag privater Waldbesitzer. Als Energieträger gewinne das Holz an Bedeutung. Ein Drittel werde verheizt, zwei Drittel gelangten an Sägereien und in die Industrie.

«Insgesamt wirtschaftlich»

«Insgesamt ist die Holzerei wirtschaftlich», sagt Wollenmann. Doch bei der städtischen Holzwirtschaft spielten neben finanziellen auch andere Faktoren eine wichtige Rolle. Wollenmann nennt an erster Stelle den Unterhalt der Wälder für Erholungssuchende. 1050 Sitzbänke gibt es in den Stadtzürcher Wäldern, 10 Vita-Parcours und Finnenbahnen und 3 Biketrails, um nur einige Zahlen zu nennen. Nach Hochrechnungen von Grün Stadt Zürich haben die Wälder auf Stadtgebiet pro Woche 400 000 Besucherinnen und Besucher. Zudem gelte es, die Artenvielfalt zu fördern. Und was die seltenen Helikopterflüge beim Holzschlag betrifft, meint Wollenmann: «Der Kohlendioxid-Ausstoss pro Kubikmeter ist noch vernünftig, verglichen mit den Emissionen bei der Weiterverarbeitung des Holzes.»