Verkehr

Rosengartenstrasse: Ein Milliardenprojekt zur Quartierentlastung

Aus der stark belasteten Zürcher Rosengartenstrasse kann wieder eine Quartierstrasse werden: Der motorisierte Individualverkehr soll in Zukunft durch einen Tunnel fliessen. Auf der abklassierten Strasse wird eine neue Tramlinie verkehren.

Seit 1972 wälzt sich der Durchgangsverkehr über die Rosengartenstrasse mitten durch Zürich: 56 000 Autos pro Tag, rund dreimal so viel wie an einem durchschnittlichen Tag auf der Gotthardroute.

Nun planen Stadt und Kanton Zürich gemeinsam eine neue Lösung für das vor gut vierzig Jahren entstandene Dauerprovisorium zwischen Milchbuck und Hardbrücke: Der motorisierte Individualverkehr (MIV) soll künftig durch den noch zu bauenden Rosengartentunnel rollen. Die Rosengartenstrasse würde zur Quartierstrasse mit nur noch 3000 Fahrten pro Tag abklassiert. Eine neue Tramlinie auf der Rosengartenstrasse würde Zürich West und Zürich Nord verbinden.

Die Gesamtkosten beliefen sich «nach unserer Schätzung» auf 860 Millionen Franken, wie Baudirektor Markus Kägi (SVP) gestern vor den Medien erklärte. Davon entfielen 625 Millionen auf den Rosengartentunnel und die Umgestaltung der Rosengartenstrasse und 220 Millionen auf das Rosengartentram.

Zudem wären 15 Millionen für Plätze und Aufwertungen veranschlagt. Kägi betonte: «Die Zahlen sind mit Vorsicht zu geniessen.» Abweichungen um bis zu 30 Prozent nach oben oder um einen kleineren Anteil nach unten seien nicht auszuschliessen.

Stadt und Kanton Zürich setzen auf neuen Tunnel und neue Tramlinie

Stadt und Kanton Zürich setzen auf neuen Tunnel und neue Tramlinie

Das von Stadt und Kanton Zürich präsentierte Finanzierungsmodell sieht vor, dass der Kanton die Kosten für Tunnel, Strassenumbau und die neue Tramlinie übernimmt. Zulasten der Stadt gingen die 15 Millionen für Plätze und Aufwertungen. Wie viel Geld aus dem Agglomerationsprogramm des Bundes zu erwarten wäre, ist laut Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP) noch offen. «Wir werden unsere Bedürfnisse beim Bund anmelden», so Stocker.

Inbetriebnahme frühestens 2032

Bis das Projekt, das gegen eine Milliarde Franken kosten dürfte, realisiert werden kann, sind noch diverse Hürden zu nehmen, wie Kägi erklärte: 2017 käme der Antrag an den Kantonsrat, voraussichtlich 2018 oder 2019 eine kantonale Volksabstimmung. Auch mit Rechtsmittelverfahren sei zu rechnen. Von 2024 bis 2030 könnte der Bau des Rosengartentunnels stattfinden, von 2030 bis 2032 jener der Rosengartentramlinie. Frühester Zeitpunkt der Inbetriebnahme wäre 2032.

Die Kapazität des Tunnels entspräche mit 56 000 Fahrten pro Tag jener Verkehrslast, die heute die Rosengartenstrasse trägt. Der Tunnel hätte zwischen Buchegg- und Wipkingerplatz zwei Röhren mit je zwei Fahrspuren. Der Abschnitt zwischen Bucheggplatz und Milchbuck müsste mit einer zweispurigen Tunnelröhre auskommen.

Das in den nächsten zwanzig Jahren zu erwartende Verkehrswachstum würde laut Stocker weitgehend von der neuen Tramlinie aufgenommen: «Mit der Tunnellösung schaffen wir den nötigen Platz fürs Tram, für den MIV, Fussgänger- und Veloverkehr.»

Der volkswirtschaftliche Nutzen bestehe darin, die Erreichbarkeit der Zürcher Wirtschaftszentren Glatttal, Limmattal und Zürich West auch in Zukunft sicherzustellen. Stocker betonte: «Es handelt sich um ein gemeinsames Projekt von Stadt und Kanton Zürich, wie bei der Glatttalbahn, der Limmattalbahn und dem Tram Zürich West.»

Zusammen mit Baudirektor Kägi und den Zürcher Stadträten Andres Türler (FDP) und Ruth Genner (Grüne) unterzeichnete er eine Vereinbarung, mit der Stadt und Kanton die Rahmenbedingungen für den Rosengartentunnel und das Rosengartentram festlegen.

«Zentral für weitere Entwicklung»

Türler erklärte das Rosengartentram mit der Strecke Albisriederplatz-Milchbuck als «zentrales Projekt für die weitere Stadtentwicklung». «Wer von Zürich West nach Zürich Nord will, benützt heute meistens das Auto», so der FDP-Stadtrat und oberste Zürcher Trämler. Mit der Umlagerung des Binnenverkehrs aufs Tram werde die Strasse - respektive der neue Tunnel - frei für den unabdingbaren Autoverkehr. Türler rechnet mit täglich 25 000 bis 30 000 Fahrgästen im Rosengartentram. Die Folge wäre weniger Stau. «Das schlägt sich auf den Wirtschaftsstandort Zürich nieder», so Türler.

Auch Stadträtin Ruth Genner zeigte sich «zufrieden» mit der nun angestrebten Lösung. Das Tunnel- und Tramprojekt führe nicht zu mehr MIV als heute und brächte eine deutliche Quartierentlastung. Allerdings gebe es noch hohe technische Hürden zu nehmen, vor allem bei der Gestaltung der Tunnelportale.

Genner machte auch klar, dass im Fall Rosengartenstrasse nun der Kanton federführend sei: «Die Stadt ist im Moment aussen vor.» Grössere Verkehrsberuhigungsmassnahmen seien an der Rosengartenstrasse bis zur Realisierung des Tunnel- und Tramprojekts nicht zu erwarten: «Punkto Busbevorzugung sind wir in Verhandlungen mit dem Kanton.» Auch Lärmschutzmassnahmen seien geplant. «Das ist nicht viel, aber immerhin etwas», sagte Genner.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1