Nachtleben

Romandie ist Party-Königin

Nach den Preisen und Reden wurde gefeiert: Der kanadische Star-DJ Deadmau5 in Aktion. Foto: Christian Dancker

Nach den Preisen und Reden wurde gefeiert: Der kanadische Star-DJ Deadmau5 in Aktion. Foto: Christian Dancker

In Zürich wurden erstmals die Swiss Nightlife Awards vergeben.

Ob Film, Theater oder Sport – eine Branche, die etwas auf sich hält, vergibt jährlich Auszeichnungen in allen möglichen Kategorien. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Szene rund um das Schweizer Nachtleben nachzieht – und ebenso ihre Awards vergibt. Am Samstagabend in der Maag Event Hall in Zürich-West war es zum ersten Mal so weit. Es sei eine spontane Idee gewesen, diese Awards ins Leben zu rufen, sagt Noel Blessing von «usgang.ch». Als Mitorganisator des Events feierte die Zürcher Partyplattform auch gleich ihr 10-JahrJubiläum. «Dank der enormen Klubdichte ist das Nachtleben in der Schweiz zu einem wichtigen Wirtschaftszweig geworden. Deshalb soll es sich auch angemessen präsentieren können.»

So trafen sich all jene zu einem festlichen Dinner, die am Aufschwung der letzten 20Jahre beteiligt waren. Geladen waren 400 Gäste. Zu Tisch warteten sie auf das obligate Couvert-Öffnen inklusive «The winner is …, die Ergebnisse der fünfköpfigen Jury.

Gewinner des Abends, das lässt sich zusammenfassend so festhalten, ist die Romandie. Fünf der neun Awards gingen in die Westschweiz – gleich vier davon nach Lausanne. Der Jamaikaner Mr. Mike, mit bürgerlichem Namen Michael Anthony Hall, wurde mit dem Lifetime Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Er war es, der in den Neunzigern über den Radio-Sender Couleur3 die House-Musik in der Schweiz salonfähig machte. Seine wohl grössten Hits landete er 1998 mit «Pump It Up» und «Put Your Hands up in the Air».

Gleich doppelt abgeräumt hat die Lausanner Grossraumdisco MAD. Sie wurde für ihr Partylabel «MAD Attitude» und als bester Klub ausgezeichnet. Für letzteren Award hatten viele einen anderen Favoriten. «Das ‹Mascotte› am Bellevue hat doch viel mehr Geschichte. Da ging bereits meine Mutter hin», sagte etwa ein Besucher.

Wird Zürich also langsam, aber sicher den Rang abgelaufen? Noel Blessing verneint: «Auch wenn Lausanne hier viele Preise abgeholt hat, Zürich ist nach wie vor die Nightlife-Metropole.» Er verweist etwa auf Zahlen von seiner Internetseite. Mehr als die Hälfte der Fotos und Klicks seien aus Zürich. Und es ist ja nicht so, dass die Limmatstadt an diesem Abend leer ausging – weit gefehlt.

DJ Remady aus Oetwil an der Limmat etwa ist der «Best Dance & Partytunes DJ». Weil er gerade in Kanada weilt, nahm seine Frau den Preis entgegen. Zum besten «Specialized Club», dem Lokal also, das sich speziell auf eine Sparte fokussiert, wurde der Elektronik-Klub «Hive» an der Geroldstrasse gekürt. Und bei der Wahl zum besten Event führte natürlich kein Weg an der Street Parade vorbei. Ironischerweise sass deren Chef Joel Meier mit in der Jury.

Ein schwieriger Moment sei es, den Preis unter diesen Umständen entgegenzunehmen, sagte Meier. Weil der Preis aber offenbar einstimmig vergeben worden war, wich sein schlechtes Gewissen rasch der Freude.

Vom Event selbst hätte man sich vielleicht etwas mehr Ausgelassenheit und Spontanität, auch ein bisschen Pomp und Glamour gewünscht. Die ehemalige Miss-Oktoberfest Alena Gerber und Energy-Moderator Stefan Büsser waren bei der Präsentation darum bemüht – aber nicht mehr. Wäre am selben Anlass der Prix Walo vergeben worden, es hätte niemanden gestört. Aber vielleicht geht es ja gerade darum: Das Nachtleben ist keine subkulturelle Bewegung mehr wie vor zwanzig Jahren. Es ist erwachsen geworden und heute auf einer Stufe mit Kino, Bars und anderen Ausgehmöglichkeiten.

Gegen 23Uhr wurden dann jene reingelassen, die dafür gesorgt haben: Hunderte von Partygängern standen Schlange und erwarteten sehnlichst den Auftritt des kanadischen Star-DJs Deadmau5 und anderen internationalen Top-Acts.

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