Herr Steiner, als Kantonsratspräsident nahmen Sie am Friedensgottesdienst mit dem Dalai Lama im Grossmünster teil. Welche Eindrücke nehmen Sie mit?

Rolf Steiner : Der Dalai Lama ist sehr präsent und sehr fit für sein Alter. Ihm ist klar, dass er eine wahnsinnig wichtige Funktion hat, für viele Tibeter ist er beinahe ein Gott. Dahinter steckt aber eine Person, die sich nicht so ernst nimmt. Das war inspirierend. Aber auch die Vertreter anderer Religionen, die den Gottesdienst gemeinsam bestritten, gaben inspirierende Worte von sich.

Durch meine Funktion konnte ich in der ersten Reihe sitzen, was das Erlebnis nochmals eindrücklicher machte. Es war eine freudige Sache und nicht tierisch ernst. Pfarrer Siegrist und der Dalai Lama hatten keine Scheu vor Körperkontakt, hielten Hände, klopften sich auf die Schultern und lachten herzhaft.

Es sollte ja ein Appell für den Frieden unter den Religionen werden.

Genau dies war eindrücklich zu sehen. Der Dalai Lama sagte, es sei toll, wenn jeder zu seinem jeweiligen Gott für Frieden bete. Doch Buddha oder Jesus würden wohl antworten, dass sie die Probleme auf der Erde gern lösen würden, doch erst sollten die Menschen doch aufhören, überhaupt Probleme zu kreieren.

Der Dalai Lama erklärt, warum sich Menschen gegenseitig töten

Bern - 13.10.2016 - Der Dalai Lama, geistiges Oberhaupt der Buddhisten, hält am Donnerstag in Bern einen öffentlichen Vortrag. In einer 30-minütigen Rede zeigt er seinen rund 1'300 Zuhörern das Problem der heutigen Gesellschaft auf und wie es zu überwinden ist.

Im Anschluss fand ein Essen in der Helferei mit geladenen Gästen statt. Hatten Sie dort die Gelegenheit, sich mit ihm auszutauschen?

Austausch ist zu viel gesagt. Ich ging zum Dalai Lama hin und habe mich als Zürcher Parlamentspräsident vorgestellt und ihn begrüsst. Er sagte, er freue sich, hier zu sein, und das war es eigentlich schon. Er war stets von vielen Menschen umgeben. Doch es herrschte Ferienlagerstimmung mit einem Buffett mit kurdischen Spezialitäten und Zürigschnätzletem.

Der Dalai Lama erklärt den Weg zur Glückseligkeit

Bern - 13.10.2016 - Der Dalai Lama, geistiges Oberhaupt der Buddhisten, hält am Donnerstag in Bern einen öffentlichen Vortrag. In einer 30-minütigen Rede erklärt er seinen rund 1'300 Zuhörern den Weg zur Glückseligkeit.

Stellte sich Ihnen im Hinblick auf die Kritik des chinesischen Generalkonsulats die Frage, teilzunehmen?

Absolut nicht. Diese Art der Spiritualität, die der Dalai Lama vertritt, sagt mir persönlich sehr zu. Zudem hatte ich bereits zugesagt, als die chinesische Generalkonsulin mich ansprach und mir sagte, China habe keine Freude am Auftreten des Dalai Lama in Zürich. Ich entgegnete ihr, dass ich eingeladen sei und teilnehmen werde.