Zürich
Robbie Williams hat seine besten Zeiten hinter sich

48000 Fans sahen beim gestrigen Konzert im Züricher Letzigrunds einen durchzogenen Auftritt. Robbie machte keinen Hehl daraus, dass er seine besten Zeiten hinter sich hat.

Andreas Ruf
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«Ich bin hergekommen, um diese Stadt zu unterhalten»: Robbie Williams gestern Abend im Zürcher Letzigrund. THOMAS REUFER

«Ich bin hergekommen, um diese Stadt zu unterhalten»: Robbie Williams gestern Abend im Zürcher Letzigrund. THOMAS REUFER

Vom obersten Punkt des Bühnenbogens schwebt er herab, der britische Superstar. An Seilen, hinein in eine gelbe Rauchwand, hinein ins Menschenmeer des Zürcher Letzigrunds. «Ich bin hergekommen, um diese Stadt zu unterhalten», schreit der 39-Jährige gestern in den Abendhimmel. «Let Me Entertain You» aus dem Jahr 1998, der erste Song des Auftritts, wummert in die Massen, ein Erdbeben geht durchs offene Rund des Letzigrunds. Nicht weniger als 48'000 Menschen werden eins mit vergangenen Zeiten.

Robbie Williams machte während seines Zürcher Konzerts keinen Hehl daraus, dass er seine besten Zeiten hinter sich hat: Selbstironisch und zu Lou Reeds «Take a Walk On The Wild Side» beendete er den Beyoncé-Hüftschwung mit den Worten, so etwas ruiniere nur seinen Rücken. Das alles im Glitzer-Jackett vom Ausmass eines Bademantels, schwitzend wie der alte Hengst nach seinem Höllenritt.

Nur die älteren Songs zogen

Sein neues Album, «Take the Crown», verkaufte sich schlecht. Junges Publikum erreicht der Entertainer aus England kaum mehr. Und auch die demografische Rundschau im Stadion unterstrich die Markt-Realität von Williams. Vorwiegend Damen über 30 mit ihren Männern im Schlepptau prägten das Bild. Auch an der Stimmung im Stadion während der Robbie-Show war das abzulesen.

Die neuen Songs verbrachten die Massen der Robbie-Fans in einer Art stiller Andacht, bei den älteren Songs, etwa «Come Undone», «Feel», «She’s The One» oder – natürlich – «Angel» kam die ekstatische Stadion-Stimmung auf, die sich alle von diesem Konzert erhofft hatten. Dann schwebten die Massen im Rausch der eigenen Jugend, der Zeit, in der Robbie Williams noch ein Draufgänger war. In diesen Momenten kann er es doch noch, der alte Charmeur, der häuslich gewordene Casanova. Zumindest live.