Gutachten

Ritzmann-Kündigung ist rechtens – für die Uni-Zürich aber ein Image-Debakel

Die Uni Zürich strebt danach, ihre Würde zurückzuerlangen. Doch noch sind nicht alle Fragen beantwortet.key

Die Uni Zürich strebt danach, ihre Würde zurückzuerlangen. Doch noch sind nicht alle Fragen beantwortet.key

Obwohl der Rausschmiss von Iris Ritzmann rechtmässig ist, bleiben die Umstände fragwürdig. Die Universität Zürich bleibt auch im Nachgang der Affäre bei der Kommunikation ihrer Salami-Taktik treu. Der Rektor Andreas Fischer handelte eigenmächtig.

«Universitätsleitung zeigt Führungsstärke» stand als Botschaft auf einem zufällig herumliegenden internen Uni-Dokument, das mit «Konzept für Medienkonferenz» betitelt war.

Den Eindruck von Stärke wollte die gestern in corpore angetretene – wenn auch seit dem Rücktritt von Rektor Andreas Fischer kleinere – Unileitung offensichtlich erwecken. Zahlreiche Komplimente für die Arbeit der Journalisten sollten wohl die herrschende Aufbruchstimmung unterstreichen.

Getrübt wurde sie allerdings durch die beiden uniformierten Sicherheitsleute, die am Eingang wachten.

Entlassen: Iris Ritzmann.

Entlassen: Iris Ritzmann.

Keine Lohnrückforderung mehr

Anlass für die Charmeoffensive bot die Präsentation der Ergebnisse von Gutachter Heinrich Koller zur Rechtmässigkeit der Entlassung von Iris Ritzmann, der stellvertretenden Leiterin des Medizinhistorischen Instituts. Ihr wirft die Universität einen Vertrauensbruch vor: Ritzmann habe interne Daten an jenen «Tages-Anzeiger»-Journalisten weitergegeben, der mit seinen Enthüllungen den Fall Mörgeli losgetreten hatte.

Koller, ehemaliger Direktor des Bundesamtes für Justiz, kommt zwar zum Schluss, die Kündigung des Arbeitsverhältnisses mit Iris Ritzmann sei rechtens. Nicht zu rechtfertigen seien jedoch der Lohnstopp ab Freistellung und die Forderung nach Lohnrückzahlungen.

Damit ist Ritzmanns Kündigung zwar nicht rückgängig gemacht worden, die schikanösen Kündigungsbedingungen musste die Uni jedoch zurücknehmen.

Entlassen: Christoph Mörgeli

Entlassen: Christoph Mörgeli

Rektor informierte erst Tage später

Überraschend waren Kollers Angaben zu den Umständen um die Kündigung. So haben die drei Prorektoren, die zusammen mit dem Rektor und dem Finanz- und Personalchef die Universitätsleitung bilden, erst Tage später von der Kündigung erfahren. Rektor Fischer stellte danach den von ihm allein unterschriebenen Kündigungsentscheid als einen der Universitätsleitung dar.

Ebenso wenig Kenntnis hatten die drei Prorektoren vom Ausmass der Datenübermittlung an die Staatsanwaltschaft. Prorektorin Andrea Schenker-Wicki drückte ihr Bedauern darüber aus, dass auch Telefon- und E-Mail-Daten von Betrieben ausgehändigt worden waren, die nicht zur Universität gehören.

Die Uni hatte auch Mitarbeiterdaten des Staatsarchivs und des Europa-Instituts weitergegeben. «Wir haben uns bei all diesen Leuten entschuldigt», sagte Schenker-Wicki. Sie betonte zudem, dass die Prorektoren über die Art und Weise der Datenweitergabe an die Staatsanwaltschaft nicht unterrichtet waren.

Zur Erinnerung: «Die Nordwestschweiz» hatte berichtet, dass der Rechtsdienst umfassende Daten von Mitarbeitern in vorauseilendem Gehorsam an die Staatsanwaltschaft geliefert hatte. Gemäss Schenker-Wicki will die Universitätsleitung nun Lehren aus den vielen Fehlern ziehen.

Ins gleiche Horn blies Interimsrektor Otfried Jarren. Allerdings weigert sich Jarren, weitere Auskünfte zur Kündigung von Iris Ritzmann zu erteilen. So ist weiterhin unklar, wer denn die treibende Kraft hinter dem Ritzmann-Rausschmiss war. Ex-Rektor Fischer gilt jedenfalls als wenig entscheidungsfreudig.

Fischer fuhr den Fall an die Wand

Angesichts der gestern vorgestellten Erkenntnisse macht der Anfang November zurückgetretene Rektor Andreas Fischer eine noch schlechtere Figur. So erkannte er die Brisanz des Falles offenbar nicht. Satt gemeinsam mit der Unileitung nach Lösungen zu suchen, preschte der damalige Rektor von sich aus vor.

Der Gutachter jedenfalls rät der Unileitung, künftig derartige Personalentscheide als Gremium zu fällen. Sie hätte sich auch den Gutachter selber sparen können. Denn die Univerwaltung wusste vom kantonalen Personalamt, dass ein Lohnstopp unangebracht ist – doch sie ignorierte den Rat.

Irritierend ist, dass die Universität bei der Kommunikation weiterhin auf Salamitaktik setzt: Hiess es im Oktober noch, Ritzmann sei wegen der Weitergabe eines Passworts entlassen worden, war nun von weiteren Verfehlungen die Rede. So soll sie vor der Publikation des besagten Artikels im «Tages-Anzeiger» Korrekturen am Text vorgenommen haben, ohne die Uni-Medienstelle zu informieren.

Allerdings geschah dies am Nachmittag vor der Erstveröffentlichung, also am Knabenschiessen-Montag – einem Zürcher Feiertag, an dem auch die Univerwaltung geschlossen ist. Ritzmann hat sich bislang auf den Standpunkt gestellt, sie habe offenkundige Fehler im Dienste der Wissenschaft korrigiert. Dass sie dem Autor auch noch zum Artikel gratuliert haben soll, wertet die Unileitung noch immer als «Agieren und Agitieren».

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