Langnau am Albis

Riesen Schwemmholzrechen eingeweiht - die Bauarbeiten im Zeitraffer

Ein 350 Meter langer Rechen an der Sihl schützt künftig die Gemeinden Langnau am Albis, Adliswil und die Stadt Zürich vor Überschwemmungen. 68 bis zu viereinhalb Meter hohe Metallpfähle halten bei Hochwasser das Schwemmholz zurück. Am Dienstag wurde das Bauwerk bei Langnau am Albis eingeweiht.

Bei einem Extremhochwasser ist gemäss Zürcher Baudirektion im Unterlauf der Sihl mit bis zu 12'000 Kubikmetern Schwemmholz zu rechnen - das sind rund 1200 Lastwagenladungen. Es drohen Verstopfungen an kritischen Stellen wie Brücken oder Durchlässen.

Gewaltige Mengen Holz würden sich dort verkeilen. Die Sihl träte über die Ufer und dicht besiedeltes Gebiet würde überflutet, wie die Baudirektion in einer Mitteilung vom Dienstag schreibt. Dank dem neuen Rechen seien solche Szenarien in Zukunft unwahrscheinlich und die Gemeinden geschützt.

Der Rechen könne bei einem Extremhochwasser Schäden in dreistelliger Millionenhöhe verhindern, sagte Baudirektor Markus Kägi (SVP) bei der Einweihung. So seien die rund 18 Millionen Franken für die Planung und den Bau eine lohnende Investition - zumal der Bund voraussichtlich 8,1 Millionen Franken davon übernehme.

Schwemmholzrechen - Zeitraffer

Hier entsteht der Schwemmholzrechen.

Schwemmholz wird in der Kurve abtransportiert

Der Rechen ist ein zentraler Bestandteil des langfristigen Schutzes vor Hochwasser in der Sihl, dem Zürichsee und der Limmat. Für den Schwemmholzrückhalt wurde der Flusslauf oberhalb von Langnau am Albis leicht verlegt, um die Krümmung der Rechtskurve zu verstärken.

In der Kurve drückt das Wasser an der Oberfläche durch die Fliehkraft nach aussen. Das Schwemmholz wird zur Aussenseite der Kurve transportiert und landet bei Hochwasser im Rückhalteraum. Statistisch gesehen ist dies gemäss Baudirektion nur etwa alle zehn Jahre zu erwarten.

Das Holz sammelt sich kompakt hinter den 68 drei- bis viereinhalb Meter hohen Stäben des Rechens. Modellversuche der ETH hätten gezeigt, dass der Rechen bis zu 95 Prozent des Schwemmholzes sicher zurückhält, schreibt die Baudirektion. Ganz gefüllt werde der Rückhalteraum nur bei einem sehr seltenen Extremhochwasser.

Sihl-Schwemmholzrechen

Sihl-Schwemmholzrechen

An der Sihl gibt es ein Problem, das alle Massnahmen zum Hochwasserschutz wirkungslos machen könnte: Verstopfungen durch Schwemmholz an kritischen Stellen wie Brücken, der Sihlhochstrasse oder dem Durchlass unter dem Hauptbahnhof Zürich. Aufgrund der Schwemmholzgefahr hat der Regierungsrat 2010 einen Projektierungskredit von 1,5 Millionen Franken für einen Schwemmholzrechen in der Sihl genehmigt. Der Rechen ist ein zentraler Bestandteil des langfristigen Hochwasserschutzes im Einzugsgebiet von Sihl, Zürichsee und Limmat.

Besorgte Fischer kritisieren Kanton

Wenig Freude am neuen Schwemmholzrechen zeigen die Fischer. Sie zweifeln nicht an Sinn und Zweck des Bauwerks, aber: Der Rechen zerstöre den Lebensraum der Fische. In einer Mitteilung sprechen sie von einem "Trauerspiel". Die ökologischen Ausgleichsmassnahmen seien ungenügend, schreibt die IG Dä Neu Fischer.

Zudem kritisiert die Interessengemeinschaft, die sich für nachhaltige Fischerei einsetzt, die Bauarbeiten zwischen April 2016 und diesem Frühling. Die Arbeiten hätten zeitweise zu enormen Trübungen des Wassers durch Humus und Sedimente geführt - auch während der Laich- und Schonzeit der Forellen.

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