Ende September gibt Verkehrsministerin Doris Leuthard (CVP) die Grundlagen für den künftigen Betrieb am Flughafen Zürich bekannt. Dass in diesem zweiten Teil des Sachplans Infrastruktur der Luftfahrt (SIL2) viel Diskussionsstoff steckt, war klar. Nun hat die NZZ die Inhalte des Objektblatt-Entwurfs bereits enthüllt. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) ist ob der Indiskretion wenig erfreut: «Wir äussern uns nicht dazu und halten an unserem Fahrplan fest», sagt eine Sprecherin auf Anfrage und betont, dass es sich um einen Entwurf handle, der noch von den involvierten Bundesämtern konsultiert werde. Auch die Flughafen Zürich AG schweigt sich vorerst über die publik gewordenen Inhalte aus und verweist auf Ende September.

Späte Starts verhindern

Beim sogenannten «16 straight» werden die Stadt Zürich sowie Gemeinden rund um den Zürichsee und im Zürcher Oberland überflogen. Heute müssen die Piloten nach Starts Richtung Süden links abdrehen und teilweise in einer 270-Grad-Kurve den Flughafen überfliegen. Diese Extraschlaufe verzögert den Betrieb und generiert Kreuzungspunkte, die aus Sicherheitsgründen eigentlich zu vermeiden sind. Lotsen, Piloten und Sicherheitsexperten fordern deshalb die Einführung des «16 straight» – nicht nur bei Bise und Nebel, sondern auch über Mittag.

Letzteres wünschen sich auch die Fluglärmgegner im Norden. Osten und Westen des Flughafens. «Dass die Variante nicht im SIL2 enhalten sein soll, begreife ich nicht», sagt Hanspeter Lienhart, SP-Stadtrat von Bülach und Präsident der IG Nord. Südstarts geradeaus würden helfen, die Flugzeuge über Mittag pünktlich auf die Reise zu schicken. Das aktuelle Regime generiert in der Mittagsspitze regelmässig Verspätungen, die sich bis zum Abend kumulieren. Die Folge sind Starts für den Verspätungsabbau zwischen 23 und 23.30 Uhr. «Und dann ist der Fluglärm am unangenehmsten», sagt Lienhart.

«Die Südstarts geradeaus über Mittag sind eine faire und vor allem sicherheitsrelevante Lösung», finden die Fluglärmgegner der Region Ost. Dass sie im SIL2-Entwurf fehlt, enttäuscht auch Priska Seiler Graf, Präsidentin des Dachverbands Fluglärmschutz und SP-Nationalrätin aus Kloten. «Wenigstens im Planungsinstrument sollte diese Option enthalten sein.»

Ebenso ärgern sich die Vertreter im Osten, Norden und Westen über die geplanten Verlängerungen der Pisten 10/28 und 14/32, die insbesondere zu mehr Anflügen über die Gemeinden im Osten führen dürften. Der Kantonsrat hat sich in der Richtplandebatte gegen die Ausbauten ausgesprochen, worauf der Bund ein Machtwort sprach. «Im Osten erhält man den Eindruck, dass der Bund die Bevölkerung im Süden bevorteilt», sagt Seiler Graf. Die Gemeinden südlich des Flughafens sehen sich dagegen ihrerseits benachteiligt. Sie fühlen sich durch Südanflüge schon genug belärmt und lehnen deshalb Südstarts geradeaus kategorisch ab, also auch bei Bise und Nebel, was aufgrund von Schätzungen in etwa 1000 zusätzliche Überflüge pro Jahr ausmachen würde. «Sobald das System für Südstarts geradeaus eingerichtet ist, werden es schnell mehr», befürchtet Lothar Ziörjen (BDP), Präsident des Fluglärmforums Süd und Stadtpräsident von Dübendorf.

SP-Nationalrat Thomas Hardegger, Präsident des Schutzverbandes der Bevölkerung um den Flughafen Zürich (sbfz) und Gemeindepräsident von Rümlang plädiert für eine Versachlichung des Themas. «Dazu brauchen wir endlich Daten, die zeigen: Wie laut ist es in den Gemeinden beim aktuellen Abflugregime mit 270-Grad-Kurve – und wie laut nach einem Südstart geradeaus, bei dem das Flugzeug viel schneller steigen kann.»