Der Fall ist eigentlich einfach: Schulte-Wermeling, der über 800 Verkehrsbussen nicht bezahlt haben soll und deshalb landesweit bekannt wurde, fuhr Anfang März 2016 zweimal zu schnell: Einmal 7 km/h und einmal 9 km/h. Dafür erhielt er Bussen von 40 und 120 Franken plus die jeweiligen Gebühren. Dagegen erhob er Einsprache.

Vor dem Bezirksgericht Zürich war dann allerdings gar nichts mehr einfach. Der heute 77-Jährige wurde seinem Ruf mehr als gerecht: Er ist dafür bekannt und gefürchtet, bei Verhandlungen kein Blatt vor den Mund zu nehmen und die Richter teilweise übel zu beschimpfen.

"Richterin ist befangen"

Gleich zu Beginn des Prozesses stellte der Rentner, der die Zürcher Justizbehörden seit Jahrzehnten beschäftigt und sich teilweise bis vor Bundesgericht wehrt, ein Ablehnungsbegehren wegen Befangenheit der Bezirksrichterin. Sie habe beim letzten Mal das Protokoll massiv gefälscht, und er sei nicht in der Lage, sie als Richterin zu akzeptieren.

Die Richterin hingegen erklärte, dass sie nicht befangen sei und das Ablehnungsbegehren zusammen mit ihrer gewissenhaften Erklärung ans Zürcher Obergericht weitergeben werde. Die Verhandlung könne aber fortgesetzt werden. Sollte sie befangen sein, dann hebe das Obergericht ihre Entscheide wieder auf.

Freispruch gefordert

Schulte-Wermeling forderte im Prozess einen Freispruch unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu seinen Gunsten. Als Entschädigung genügten ihm symbolische zehn Franken, sagte er.

Er argumentierte unter anderem damit, dass die Auswertung des Fotos der Radarfalle illegal gewesen und es überhaupt unverhältnismässig sei, dass er wegen wenigen Franken von der Justiz verfolgt werde - vor allem, da viel schlimmere Sachen nicht geahndet würden. "Es wäre Unsinn, mich zu bestrafen", sagte er.

Auch beschwerte er sich, dass die zwei Geschwindigkeitsübertretungen, die innerhalb von fünf Tagen passiert sind, nicht in einem Fall zusammengefasst wurden. So müsse er zweimal Gebühren bezahlen. Vor Gericht würden die Taten ja schliesslich auch zusammen behandelt.

Ein Urteil gab es allerdings vorerst nicht. Zuerst muss der Entscheid des Obergerichts bezüglich des Ablehnungsbegehrens abgewartet werden.

Der Richterin zum Schluss gratuliert

Während des ganzen Prozesses beschimpfte und beleidigte Schulte-Wermeling die Richterin, das Gericht und die gesamte Juristerei teilweise massiv und fragte beispielsweise die Richterin, ob er sie erst ohrfeigen müsse, bis sie etwas verstehe. Zudem sprach er ihr unter anderem das Justizwissen ab, äusserte Zweifel an ihrer Intelligenz und unterbrach sie immer wieder lautstark.

Er gab auch offen zu, dass er die Richterin so lange provozieren werde, bis sie ihn vor die Türe setze. "Anders kann man mit Leuten wie Ihnen nicht umgehen", sagte er.

Die Richterin hingegen blieb während der ganzen Verhandlung ruhig und liess sich nicht provozieren. Dafür erntete sie zum Schluss auch ein Lob des Beschuldigten: Er gratuliere ihr zur souveränen Verhandlungsführung.