Politik
Richard Wolff: Der Polit-Newcomer des Jahres

Zürichs AL-Stadtrat hat die ersten Bewährungsproben als Polizeichef hinter sich. Wolff stand für die Themen ein, auf die es in Zürich ankommt und, die in der Limmatstadt seit Jahren mehrheitsfähig sind.

Matthias Scharrer
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Am 21. April gelingt Richard Wolff die Wahl in den Zürcher Stadtrat.

Am 21. April gelingt Richard Wolff die Wahl in den Zürcher Stadtrat.

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Seine Wahl in den Zürcher Stadtrat kam vergangenen Frühling nur auf den ersten Blick überraschend: Richard Wolff hatte zwar als Kandidat der Alternativen Liste lediglich eine Kleinpartei ohne Regierungserfahrung hinter sich. Sein Konkurrent Marco Camin vertrat den einst stolzen Zürcher Freisinn. Doch Wolff stand für die Themen ein, auf die es in Zürich ankommt und, die in der Limmatstadt seit Jahren mehrheitsfähig sind: Er machte sich im Wahlkampf für günstigen Wohnraum und eine ökologisch orientierte Verkehrspolitik stark.

Binz-Räumung und Korruption

Kaum gewählt erkoren seine Stadtratskolleginnen und -kollegen Zürichs Polit-Newcomer des Jahres 2013 zum Polizeivorsteher. Ausgerechnet Wolff, der einst in der 80er-Bewegung auf der Seite der aufbegehrenden Jugend gestanden hatte. Ausgerechnet den AL-Stadtrat, dessen Partei der Polizei nach wie vor stets kritisch gegenüberstand.

Die ersten Bewährungsproben liessen nicht lange auf sich warten: Gleich zum Amtsantritt erwartete Wolff die heikle Aufgabe, Zürichs grösste und langlebigste Hausbesetzung zu beenden. Wolff führte zahlreiche Gespräche im Hintergrund, jedoch ohne bei Ablauf des Ultimatums an die Hausbesetzer zu wissen, ob sie zum Ziel einer friedlichen Räumung führen würden, wie er dem «Magazin» anvertraute.

Das heikle Unterfangen gelang: Fristgerecht zogen die Fabrikbesetzer in der Binz ab. Auch bei der nächsten Bewährungsprobe hielt Wolff sich im Hintergrund: Als die Staatsanwaltschaft im Oktober bekannt gab, dass Stadtpolizisten der Fachgruppe Milieu/Sexualdelikte unter Korruptionsverdacht verhaftet worden waren, überliess Polizeidepartementsvorsteher Wolff die Kommunikation weitgehend dem ebenfalls neuen Polizeikommandanten Daniel Blumer. Blumer entschied - in Absprache mit Wolff - auch über die im Dezember erfolgten Entlassungen und Versetzungen der betroffenen Polizisten.

Unkenrufe von rechts und links

Die FDP kritisierte Wolffs Verhalten als Führungsschwäche. Auch die AL macht es ihrem Neu-Stadtrat nicht leicht: In der Budgetdebatte verweigerte sie zusammen mit SP, Grünen und GLP die zur Verstärkung der polizeilichen Nachtpräsenz beantragten zusätzlichen Stellen. Doch allen Unkenrufen von rechts und links zum Trotz: Wolffs lösungsorientiertes Wirken im Hintergrund hat bisher auch in Krisen gut funktioniert.