Zürich

Revolutionärer Aufbau lädt Links-Terroristen für «Erfahrungsaustausch» ein

Die Ex-RAF-Terroristin Inge Viett auf dem Weg zu einer Lesung ins Kulturzentrum Boa in Luzern am Donnerstag, 28. Juni 2007.

Die Ex-RAF-Terroristin Inge Viett auf dem Weg zu einer Lesung ins Kulturzentrum Boa in Luzern am Donnerstag, 28. Juni 2007.

Mit der ehemaligen RAF-Terroristin Inge Viett und dem Italiener Alfredo Davanazo, Mitglied der «neuen Roten Brigaden», hat der Revolutionäre Aufbau Zürich zwei gestandene Linksterroristen ans «revolutionäre Politwochenende» nach Zürich eingeladen.

Am 26. April werden sie zum «Erfahrungsaustausch» mit dem Revolutionären Aufbau in Zürich eintreffen: Inge Viett, ehemalige RAF-Terroristin, und Alfredo Davanzo, seinerseits Mitglied der «neuen Roten Brigaden» Italien und erst 2014 aus dem Gefängnis entlassen – dies berichtet der «Tagesanzeiger».

Anlass ist das «revolutionäre Politwochenende» im Vorfeld des 1. Mai. Gemäss einem Flublatt besteht das Ziel darin, «anhand von drei Biografien drei revolutionäre Projekte beleuchten, Erfahrungen austauschen und die Frage nach der revolutionären Perspektive heute» zu stellen.

Inge Viett aufgenommen am 12. Juli 1990 in Karlsruhe, wo sie den bundesdeutschen Behörden übergeben wird.

Inge Viett aufgenommen am 12. Juli 1990 in Karlsruhe, wo sie den bundesdeutschen Behörden übergeben wird.

Mit Viett und Davanzo hat der Revolutionäre Aufbau zwei Personen gefunden, welche «die revolutionäre Perspektive» aus der «Praxis» kennen: Die heute 71-jährige Inge Viett wurde 1992 zu 13 Jahren Haft verurteilt, weil sie zwölf Jahre zuvor in Paris einen Polizisten angeschossen hatte. Dieser ist seit diesem Vorfall gelähmt.

Davanzo wurde 2007 von der italienischen Polizei zusammen mit 14 Mitstreitern verhaftet, weil sie unter anderem einen Mordanschlag auf den Politiker Pietro Ichino geplant haben sollen. Im Gerichtssaal habe er lautstark «zum bewaffneten Kampf» aufgerufen, wie die österreichische Zeitung «Der Standard» seinerzeit schrieb. Die bekannte Zürcher Links-Radikale Andrea Stauffacher soll regelmässige Kontakte mit Davanzo unterhalten haben.

Alfredo Davanzo bei seiner Verhaftung 2007 in Triest.

Alfredo Davanzo bei seiner Verhaftung 2007 in Triest.

Zwar hat die Zürcher Stadtpolizei den Anlass auf dem Radar, mehr wollte sie gegenüber dem «Tagesanzeiger» aber nicht sagen. Da die Veranstaltung in privatem Raum stattfinde, sei keine Bewilligung notwendig.

Bei SVP-Fraktionspräsident Mauro Tuena stösst die Nachricht vom baldigen Besuch der Beiden Radikalen erwartungsgemäss auf alles andere als Begeisterung: «Da muss man sich also schon fragen, was das soll.», sagt er zum Tagi. Das Ziel der Einladung von solch gewaltbereiten Personen sei lediglich die Provokation. «Da muss man sich dann nicht wundern, wenn es wieder knallt», so Tuena. 

Letzter Besuch 2007

Inge Viett war letztes Mal im Jahr 2007 in der Schweiz. Damals besuchte sie Anlässe in Luzern und Zürich – auch auf Einladung des Revolutionären Aufbaus. Bei dieser Gelegenheit verteidigte sie die DDR. Eine Distanzierung von extremistischem Gedankengut blieb Viett bis heute schuldig. (rhe)

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