Gesundheitswesen
Rettungsdienste haben nicht nur Patientenwohl im Auge

Das Gesundheitswesen mit seinen zahlreichen Akteuren ist schwer zu durchschauen. Besonders kompliziert ist die Situation im Rettungswesen. Im Kanton Zürich laufen derzeit verschiedene Projekte, welche Verbesserung versprechen.

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Ambulanz Blaulicht (Symbolbild)

Ambulanz Blaulicht (Symbolbild)

Keystone

Wer im Kanton Zürich verunfallt, wünscht sich vor allem eines: rasch und unbürokratisch die bestmögliche ärztliche Behandlung zu bekommen. In der Regel klappt dies gut, doch kann es auch einmal zu Situationen kommen, in denen gesetzliche Bestimmungen die nächstliegende Lösung verunmöglichen.

Dies kommt nicht zuletzt daher, dass alle Gemeinden vertraglich an bestimmte Rettungsdienste gebunden sind. Sie schliessen Vereinbarungen über die Notfallversorgung auf ihrem Gebiet ab.

Viele dieser Rettungsdienste sind ihrerseits an ein bestimmtes Spital angegliedert. Weil es keine fixen Vorgaben gibt, wird der Notfallpatient deshalb meistens in genau dieses Spital gefahren, auch wenn es nicht das am nächsten gelegene ist.

"Rosinenpicker" als Herausforderung

Das heutige Regime funktioniere im ordentlichen Tagesgeschäft und bei Grossereignissen recht gut, wie Hansjörg Lehmann, Leiter Gesundheitsversorgung in der Gesundheitsdirektion, am Freitag an einem Mediengespräch sagte. Es sorge aber auch für Probleme.

Eine Herausforderung ist laut Lehmann das "Rosinenpicken" kleinerer Rettungsdienste. So seien im Kanton Rettungsdienste von höchst unterschiedlicher Qualität im Einsatz. Nicht alle sind personell und materiell gleich gut aufgestellt. Auch haben nicht alle ein Notarzt-Pikett, weshalb in gewissen Fällen gleich die Rega gerufen werde.

"Dieser Zustand sorgt für ungleich lange Spiesse", sagte Lehmann. Mit dem Markteintritt kleinerer gewinnorientierter Rettungsdienste verschärfe sich das Problem zusehends. Damit sich die Qualität nicht verschlechtert, sind gemäss dem Leiter Gesundheitsversorgung Anpassungen nötig.

Vertrag geht vor Patientenwohl

Unbefriedigend sei ferner, dass die Zuteilung der Rettungsmittel sich nicht nach dem Wohl des Patienten, sondern nach den ausgewählten Rettungsdiensten richte. Die Einsatzleitzentrale könne damit nicht das nächste geeignete Rettungsfahrzeug disponieren, sondern dasjenige, das für das Einsatzgebiet einen Vertrag habe.

Mit einer "Nächst-Best-Strategie" könnte dem entgegengewirkt werden, wie Lehmann sagte. Demnach würde das nächstgelegene Fahrzeug zum Patienten fahren und nicht jenes, das einen Vertrag mit der Gemeinde hat. Problematisch wäre allerdings, wenn der Rettungsdienst zu einem gewinnbringenden "Patienten-Aquisitionsinstrument" würde. Nächstes Jahr soll ein entsprechendes Projekt gestartet werden.

Bei diesem wie auch bei den weiteren - insgesamt knapp 40 - aktuellen Projekten der Gesundheitsdirektion geht es laut Regierungsrat Thomas Heiniger darum, möglichst alle Akteure an einen Tisch zu bringen. Die Rolle des Kantons sieht er auch darin, die Beteiligten für bessere Lösungen zu gewinnen und Überzeugungsarbeit zu leisten