Der unerfüllte Kinderwunsch habe in der Schweiz an Bedeutung gewonnen, sagte Bruno Imthurn, Leiter des Kinderwunschzentrums am Universitätsspital Zürich (USZ), am Dienstag vor den Medien in Zürich. Die Verschiebung des Kinderwunsches auf nach dem 30. Lebensjahr und die damit verbundene drastische Reduktion der weiblichen Fruchtbarkeit seien eine wesentliche Erklärung dafür.

Der Reproduktionsmediziner gehört einer Gruppe von 17 Experten der Reproduktionsmedizin, Andrologie, Neonatologie, Psychosomatik und Genetik an, die 21 Thesen für eine "Vision von assistierter Fortpflanzungsmedizin" (ART) erarbeitet hat. Die Gruppe will sich für eine liberalere Gesetzgebung für die Reproduktionsmedizin einsetzen und fordert eine rasche Gesetzesrevision.

Im Mai dieses Jahres hat der Bundesrat beschlossen, das Fortpflanzungsmedizingesetz (FMedG) zu revidieren. Über die notwendige Verfassungsänderung wird das Schweizer Volk voraussichtlich erst 2013 abstimmen können.

Laut Imthurn lassen sich heute in der Schweiz jährlich rund 6000 Frauen künstlich befruchten, und täglich würden etwa fünf Kinder geboren, die mit Hilfe der Reagenzglas-Befruchtung gezeugt wurden. Schätzungsweise 10 Prozent der Frauen liessen sich im Ausland behandeln.

Grund für den Fortpflanzungstourismus seien nicht geringere Erfolgsquoten der Schweizer Fertilitätszentren. Schuld daran sei das geltende FMedG, das gewisse Therapieformen nicht zulasse.

Gesetz führt zu Fortpflananzungstourismus

Das restriktive FMedG werde weder der raschen Entwicklung der ART noch den Bedürfnissen der betroffenen Paare gerecht, betonte Markus Bleichenbacher, Leiter Reproduktionsmedizin an der Frauenklinik des Kantonsspitals Luzern. So werde etwa die in der Schweiz verbotene Eispende in seriösen Zentren in den EU-Ländern seit Jahren angeboten.

Schweizer Paaren bleibe deshalb nichts anderes übrig, als sich ihren Kinderwunsch im Ausland zu erfüllen, sagte Peter Fehr, Leiter einer privaten Praxis für Reproduktionsmedizin in Schaffhausen. Dass die Samenspende erlaubt, die Eispende dagegen untersagt sei, werde von vielen als ungerecht empfunden.