Pferdesport
Rennfahrer will Zentrum für Westernreiten bauen

Der Rennfahrer Nick Heidfeld und seine Partnerin wollen ihr Gestüt zu einem Pferdesportzentrum ausbauen, das auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Michel Wenzler (Text und Foto)
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Bereits heute befindet sich auf dem Gelände ein Stallgebäude. Es soll abgerissen und durch einen grösseren Bau ersetzt werden.

Bereits heute befindet sich auf dem Gelände ein Stallgebäude. Es soll abgerissen und durch einen grösseren Bau ersetzt werden.

Wer von Oetwil am See Richtung Zürichsee fährt, erblickt schon bald die Gemeinde Stäfa – und zwar von einer ihrer schönsten Seiten. Gleich hinter der höchsten Stelle beim Mühlehölzli breitet sich eine spektakuläre Landschaft aus: Der Blick reicht bis zu den Glarner Alpen, unten glitzert der Zürichsee, und von Weitem grüsst der Kirchturm des Dorfs.

An diesem Ausblick erfreuen sich nicht nur Autofahrer, sondern auch viele Spaziergänger und Freizeitsportler, die im Erholungsgebiet ihre Ruhe suchen. Auch Rennfahrer Nick Heidfeld weiss die schöne Gegend zu schätzen. 2002 kaufte der damalige Sauber-Pilot oberhalb von Stäfa ein grosses Anwesen mit Pferdestall und grossem Umschwung. Er wohnt seither im ehemaligen Waisenhaus, das bis in die 1930er-Jahre mittellose Kinder beherbergte und danach noch eine Weile als Altersheim genutzt wurde.

In der Schweiz fast einzigartig

Heidfeld sieht seine Zukunft offenbar auch weiterhin in Stäfa. Denn der 39-Jährige, der mit seiner Partnerin Patricia Papen und den drei Kindern unauffällig in der Gemeinde lebt, hat grosse Ausbaupläne. Der Deutsche will das bereits bestehende Gestüt zu einer Reitsportanlage ausbauen.

Das ist nicht erstaunlich: Patricia Papen ist eine ehemalige Westernreiterin, die 2001 sogar Europameisterin wurde. Das Reitsportzentrum soll denn auch über eine spezielle Halle fürs Westernreiten verfügen, von denen es in der Schweiz nur wenige gibt.

Heidfeld, der zwar seine Karriere in der Formel 1 beendet hat, aber noch andere Autorennen bestreitet, weilte in den vergangenen Tagen in Florida für das 24-Stunden-Rennen in Daytona und war deshalb nicht für weitere Auskünfte erreichbar. Seine Lebensgefährtin und sein Manager Andre Theuerzeit vertrösteten deshalb auf später.

Pläne, die dieser Zeitung vorliegen, verraten jedoch schon einiges über die Ausbauabsichten. Eine bereits bestehende Reithalle sowie eine Scheune, die in einer speziell für Pferdesport geschaffenen Erholungszone liegen, sollen abgebrochen werden. An deren Stelle entsteht eine 72 Meter lange und 32,5 Meter breite Halle mit Satteldach und Holzfassade. Sie ist speziell für den Westernreitersport konzipiert und beherbergt nebst der eigentlichen Pferdesportanlage ein Reiterstübli, ein Lager sowie Zuschauerplätze.

Betreuung rund um die Uhr

Heidfelds Umschwung hat eine Fläche von über 25 000 Quadratmetern, heute grösstenteils Weideland. Das entspricht etwa fünf Fussballfeldern. Auf dem Land sind auch zwei Stallgebäude vorgesehen. Zehn der 30 Pferdeplätze sind privaten Zwecken vorbehalten, die übrigen sollen vermietet werden. In den Ställen sollen zudem Sattelkammern, Waschboxen, Garderoben und Wohnungen für Angestellte entstehen – die Pferde werden rund um die Uhr betreut.

Gebaut werden sollen auch mehrere Aussenanlagen, etwa ein Allwetterauslauf und eine überdeckte Führanlage. Geplant ist ausserdem ein Gebäude für Schulungen und für Reittherapie. Das Zentrum soll auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein. So sind therapeutisches Reiten für Erwachsene und Kinder und Westernreitstunden vorgesehen. Geplant sind deshalb auch 25 Parkplätze.

Da sich die Pferdesportanlage in einer landschaftlich sensiblen Hanglage befindet, ist für das Vorhaben ein privater Gestaltungsplan nötig. Dieser definiert die Eckwerte für die künftige Überbauung des Areals und macht Auflagen, etwa bezüglich Landschafts- und Umweltschutz. Der Bau muss sich gut in die Landschaft einordnen und ökologisch und energieeffizient sein. Weiter müssen verloren gegangene Fruchtfolgeflächen kompensiert werden.

Heidfeld hat den beabsichtigten Ausbau mit dem benachbarten Reitstall Krähenbühl koordiniert. Auch dieser sieht eine Erweiterung vor. Die beiden Grundstücksbesitzer haben dieselben Planer und Architekten sowie denselben Generalunternehmer beauftragt.

Abstimmung wohl dieses Jahr

Bis der Bau der Anlagen beginnen kann, wird es aber eine Weile dauern. Es liegen noch keine konkreten Bauprojekte vor, sondern erst die beiden Gestaltungspläne für die jeweiligen Vorhaben. Sie schaffen die rechtlichen Voraussetzungen für die Reitanlagen und müssen von den Stäfner Stimmberechtigten und danach vom Kanton genehmigt werden. Der Gemeinderat wird die Pläne der Gemeindeversammlung möglicherweise bereits im Juni unterbreiten, wie Gemeindeschreiber Daniel Scheidegger auf Anfrage sagt. Bislang sind bei der Gemeinde keine kritischen Fragen dazu eingegangen. Während der öffentlichen Auflage habe es kaum Rückmeldungen gegeben, sagt Scheidegger. Er sagt aber auch: «Kritische Stimmen sind häufig erst kurz vor Abstimmungen zu hören.»