Zürich
Rektor Fischer: «Die Universität platzt aus allen Nähten»

Der Rektor der Uni Zürich, Andreas Fischer, macht sich erhebliche Sorgen über die Zukunft der Hochschule. Wenn es nämlich nicht gelingt, die Raumnot zu beheben, liessen sich die immer noch steigenden Studierendenzahlen nicht bewältigen.

Alfred Borter
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Die Universität Zürich braucht dringend mehr Platz – und dehalb viel Geld. uzh/zvg

Die Universität Zürich braucht dringend mehr Platz – und dehalb viel Geld. uzh/zvg

Limmattaler Zeitung

Man könnte die als Folge der Bologna-Reform nötigen Veranstaltungen nicht in kleinen Gruppen durchführen, sondern müsste vermehrt Massenveranstaltungen ansetzen. Man könnte den Lehrkörper nicht ausbauen und müsste darauf verzichten, die Nachwuchsförderung zu stärken.

Die Universität Zürich müsste sich sogar überlegen, gewisse Fächer aufzugeben. Wenn es nicht gelingt, den im Lauf der letzten zehn Jahre entstandenen Nachholbedarf zu decken und die für die Zukunft nötigen Erneuerungen vorzunehmen, droht sie ihre sehr gute internationale Position zu verlieren.

Auf den Kanton angewiesen

«Die Universität platzt aus allen Nähten», erklärte Fischer. «Der Nachholbedarf ist gross, und die Zukunft bringt neue Herausforderungen.» Wenn sich die Universität erfolgreich entwickeln wolle, müssten bis 2027 Investitionen von fast 3 Milliarden Franken getätigt werden. Das sind jährlich 180 Millionen Franken oder drei- bis viermal mehr als bisher. «Das beunruhigt uns sehr.»

Die Universität ist stets auf den Goodwill des Kantons angewiesen, der rund die Hälfte der jährlichen Aufwendungen von jetzt 1,18 Milliarden Franken deckt.

«Wir stehen nicht am Steuer», bemerkte Stefan Schnyder, Direktor Finanzen, Personal und Infrastruktur. Wenn die Universität etwas Neues will, kann sie das nicht aus eigenen Mitteln bewerkstelligen, sondern hat als Bittsteller aufzutreten. Für Fischer ist es immerhin ein Glück, dass sich die finanzielle Lage des Kantons etwas aufgehellt hat. Zudem wird sich die Universität bemühen, sich etwa durch die Einwerbung von Drittmitteln zusätzliche Freiheiten zu erarbeiten. «Flexiblere Strukturen und Prozesse im Baubereich sind unabdingbar», sagte Rektor Fischer.

Steigende Studierendenzahlen

Zum einen kommt dieser Bedarf daher, dass die Studentenzahlen weiter wachsen. Letztes Jahr zählte man 25600, 350 mehr als im Vorjahr. Das Bundesamt für Statistik rechnet zwar damit, dass künftig bloss noch ein bescheidener Zuwachs stattfinde und der Gipfel mit 27000 Studierenden erreicht sei, doch meinte Rektor Fischer, frühere Prognosen hätten sich immer als falsch erwiesen, das Wachstum sei stets höher als angenommen ausgefallen.

Investitionen werden auch darum nötig, weil der Betrieb heute auf rund 200 Gebäude in der ganzen Stadt verteilt ist, was sehr kostspielig ist. Man möchte für eine Konzentration im Zentrum und am Standort Irchel sorgen, die Aussenstationen etwa in Oerlikon, die man nur der Not gehorchend gemietet hat, will man wieder aufgeben. Mehr Platz braucht es auch für den Ausbau der Forschungsaktivitäten. Dazu kommt, dass die ersten, ab 1976 im Irchel erstellten Bauten langsam in die Jahre kommen, da sie umfassend saniert oder gar neu gebaut werden müssen.

Lange Wege zur Realisierung

Die Strategie der Universität besteht nun darin, im Zentrum und am Standort Irchel zu investieren. Im Zentrum wird die Universität die Gebäude übernehmen können, welche jetzt noch von der Pädagogischen Hochschule belegt sind, denn diese zieht im Herbst 2012 in einen Neubau beim Hauptbahnhof. Ferner sind verschiedene Neu- und Ausbauten geplant. Im Irchel steht die Realisierung der fünften Bauetappe an, zu der 2007 ein Architekturwettbewerb durchgeführt worden ist, und eigentlich hätte man die Neubauten 2014 in Betrieb nehmen wollen. Heute rechnet man mit dem Bezug im besten Fall im Jahr 2017. Und die sechste Bauetappe ist dann 2020 oder 2025 fällig – wenn die Mittel bewilligt werden. Warum geht es immer länger als geplant, bis die nötigen Ausbauschritte vollzogen werden können? Auf diese Frage meine Fischer, die Wege seien häufig etwas lang, weil zahlreiche Instanzen begrüsst werden müssten. «Aber ich will das keineswegs als Kritik verstanden haben», schob er gleich nach.