Das Jahr 2018 geht für die Stadt Zürich als ein Jahr der Superlative in die Geschichte ein. Das passt, zumal in diesem Jahr auch das 125-Jahr-Jubiläum der ersten Schweizer Grossstadt gefeiert wurde. Rekorde verbucht Zürich auf unterschiedlichen Ebenen.

Diese reichen vom stärksten Bevölkerungswachstum seit 70 Jahren über Spitzenwerte beim Tourismus bis hin zu Rekordtemperaturen in den Sommermonaten, die den Badis in Zürich zwei Millionen Badegäste bescherten. Statistik Stadt Zürich hat zum Jahresende einen Rückblick der besonderen Art zusammengestellt. Dieser zeigt, wer in der Stadt wohnt und welcher Wandel damit im Wohnungsbau einhergeht.

Kehrtwende durch Migration

Ende September leben in der Stadt Zürich 428 340 Menschen. Mehr Menschen lebten nur zwischen 1958 und 1968 in Zürich. Der Monat September steht aber noch für eine Kehrtwende: Erstmals seit 180 Jahren leben nämlich wieder mehr Männer als Frauen auf Stadtboden. Geburten und Todesfälle liefern keine hinreichende Begründung dafür. Eine Erklärung aber liefert die Publikation «Der neuen Männerüberzahl auf der Spur: Analysen nach Herkunft».

Verantwortlich für die Kehrtwende dürfte die Migrationsbewegung sein. Gewisse Generationen, die über die Jahre zu- oder weggezogen sind, weisen einen hohen Frauen-, andere wiederum einen hohen Männeranteil auf. Derzeit sind bei den 75-Jährigen und Älteren die Frauen stark vertreten.

Diese Generation erreicht nun ein Alter mit hoher Sterblichkeit. Die nachfolgende Generation weist einen überproportional hohen Männeranteil auf. Entsprechend hat der Männeranteil nun jenen der in der Stadt lebenden Frauen aufgeholt.

Die Entwicklung der Stadt Zürich über 125 Jahre hinweg lässt sich anhand des Altersaufbaus der Bevölkerung veranschaulichen. Bei der ersten Eingemeindung im Jahr 1894 charakterisierte sich Zürich als junge und von vielen Kindern bewohnte Stadt.

Die häufigste Gruppe bei den Erwerbstätigen waren die 20-Jährigen. Um 1900 setzte ein Geburtenrückgang ein. Damit sank der Kinderanteil in der Stadt von 18 Prozent bis auf sieben Prozent im Jahr 1990. Die älteren Menschen nahmen dabei an Bedeutung zu.

Besonders die gealterten Frauen, die in den Zwischenkriegsjahren nach Zürich zogen, charakterisieren in dieser Zeit die Alterspyramide von Zürich. Nach Jahrzehnten des Einwohnerrückgangs waren Studierende und junge Erwerbstätige zwar immer noch zahlreich, aber Menschen zwischen dem 30. und 45. Altersjahr waren rar.

Anders präsentiert sich Zürich heute: Es hat eine Verjüngungskur stattgefunden. Es leben deutlich mehr 30- bis 50-Jährige in der Stadt und auch die Kinderzahlen bewegen sich auf hohem Niveau. Damit kann Zürich wieder als Familienstadt bezeichnet werden.

Wo Leben ist, sind Wohnungen

Wo sich die Menschen niederlassen, da steigt auch die Nachfrage nach Wohnraum. Bis Ende September wurden 2018 über 2800 neue Wohnungen für die Bevölkerung geschaffen. Diese wurden nicht allesamt neu gebaut, sondern auch durch Sanierung modernisiert oder durch Aufstockung und Ausbau bestehender Gebäude erbaut.

Beispiel Westlink-Tower: 2017 wurde in Altstetten am meisten gebaut.

So sind seit 2010 über 700 Wohnungen entstanden, weil die innere Reserve von Häusern optimiert werden konnte. Durch Umnutzung von Gewerbe- oder Lagerräumen konnten
870 Wohnungen erstellt werden, wie eine Erhebung von Statistik Stadt Zürich zeigt. Durch den Bau zusätzlicher Stockwerke oder Anbauten wurden über 1100 Wohnungen geschaffen.

Altstetten hat am meisten

Die grössten fertiggestellten Bauprojekte des Jahres 2017 stammen aus dem genossenschaftlichen Bereich. Dazu gehört die zweite Bauetappe vom Mattenhof in Hirzenbach mit 196 Wohnungen. Auf der Manegg in Wollishofen entstanden in zwei Projekten 211 Genossenschaftswohnungen. Auch in den Quartieren Albisrieden, Wipkingen und Altstetten wurden jeweils über 100 Wohnungen von Wohnbaugenossenschaften erstellt.

Auch die privaten Baugesellschaften waren in Altstetten am aktivsten – insgesamt über 200 Wohnungen haben diese im vergangenen Jahr aus dem Boden gestampft. Damit gehört das Quartier an der Stadtgrenze zum Limmattal zu jenen mit den meisten neugebauten Wohnungen.

Eine weitere Analyse der Statistiker zeigt auch, dass heute doppelt so hoch gebaut wird wie noch vor 100 Jahren. Während 1916 ein Wohnhaus im Durchschnitt etwas weniger als sieben Meter hoch war, sind die Gebäude heute im Schnitt über 17 Meter hoch.

Zürichs tierische Seite

Neben den vielen Menschen wohnen auch überraschend viele Bienen in der Stadt Zürich. Die fleissigen schwarz-gelben Tierchen leben auf den Dächern Zürichs. Insgesamt 194 Bienenstände mit insgesamt fast 1000 Bienenvölkern werden auf Stadtzürcher Boden gezählt.

Wie die interaktive Karte des Kantons Zürich (GIS-Browser) zeigt, lebt ein Bienenvolk gar auf dem Dach des Hotels Marriott im Stadtzürcher Kreis 6 oder auf dem Dach des Globus Warenhauses an der Bahnhofstrasse.

Dass so viele Bienen im urbanen Gebiet leben, erklären Experten von Grün Stadt Zürich mit einer hohen Blütenvielfalt und höheren Lufttemperaturen als in ländlichen Gegenden. Entsprechend sind die Bienen in der Stadt aktiver und profitieren vom grösseren Nahrungsangebot.

Dieses finden sie in öffentlichen Anlagen, privaten Gärten, auf Terrassen sowie auf grünen Dächern. Weil städtische Pflanzen weniger von Pestiziden belastet sind, produzieren Stadtbienen auch etwas mehr Honigals die gleichartigen Kollegen auf dem Lande.