Der zuständige Staatsanwalt forderte am Dienstag in seinem Plädoyer, dass die drei Männer zu Freiheitsstrafen zwischen dreieinhalb und viereinhalb Jahren verurteilt werden.

Die beiden anwesenden Verteidiger verlangten indes Freisprüche: Ihre Mandanten seien mit ihrer Start-up-Idee gescheitert, was strafrechtlich nicht relevant sei. Der Verteidiger des dritten Beschuldigten konnte krankheitshalber an der Verhandlung nicht teilnehmen - er wird sein Plädoyer schriftlich nachreichen. Erst dann wird das Obergericht ein Urteil fällen können.

Das Bezirksgericht Affoltern hatte den Schweizer, den Deutschen und den Österreicher in erster Instanz im Juli 2014 wegen Betrugs zu bedingten Freiheitsstrafen von eineinhalb und zwei Jahren verurteilt.

Das Wundermittel

Die drei Männer, die im Ausland leben und deshalb am Dienstag ihrem Prozess fernbleiben durften, hatten im Herbst 2003 im Handelsregister von Singapur ein Unternehmen eintragen lassen.

Über diese Firma wollten sie ein rein pflanzliches Potenzmittel vertreiben, das zur Behandlung von Erektionsstörungen gleich wirksam sein soll wie die bekannten pharmazeutischen Mittel.

Der Geschäftsgang sei ausgezeichnet, der Börsengang stehe kurz bevor, beteuerten die heute 74, 63 und 60 Jahre alten Unternehmer gemäss Staatsanwalt gegenüber interessierten Investoren. 73 Personen kauften in der Folge zwischen Oktober 2003 und August 2005 Aktien des Unternehmens im Wert von insgesamt 4,9 Millionen Franken und 2,4 Millionen Euro.

Das Bio-Mittel fehlte noch

Ihr Wundermittel hätten die drei Unternehmer aber nie in den Händen gehalten, sagte der Staatsanwalt vor dem Obergericht.

Ein entsprechendes Produkt hätten sie zwar in China bestellt, doch sei dieses, wie deren eigene Untersuchungen gezeigt hatten, mikrobiologisch verunreinigt gewesen. Zudem sei ihnen auch bekannt gewesen, dass dieselbe in Italien vertriebene Version mit Arzneimitteln versetzt gewesen sei.

Den Investoren hätten die drei Beschuldigten aber nicht erklärt, dass sie ihr Wundermittel noch suchen würden. Sie hätten ihnen vielmehr trickreich vorgegaukelt, über dieses zu verfügen, um für die "nahezu wertlosen Aktien" einen möglichst hohen Preis zu erzielen. Für den Staatsanwalt war das Anlagebetrug nach Drehbuch.

Einen Grossteil der Investoren-Gelder hätten die drei Beschuldigten unrechtmässig für sich selbst vereinnahmen wollen, heisst es in der Anklageschrift. Aufgezählt werden dort Lohnzahlungen in sechsstelliger Höhe, weitere Entschädigungen für Vermittlungsleistungen und die Anmiete einer Terrassenwohnung.

Felsenfest an Wundermittel geglaubt

Diese Vorwürfe wiesen die Verteidiger zurück: Es sei unsinnig, aktenwidrig und blosse Stimmungsmache, in diesem Fall von einem Anlagebetrug sprechen zu wollen, hielt einer der Verteidiger fest. Das Unternehmen sei nicht nur zum Schein und zum Verkauf der Aktien gegründet worden.

Die Beschuldigten hätten unter anderem das Marktpotenzial ihres Produktes abgeklärt, die notwendigen Firmen-Strukturen fachmännisch aufgebaut und auch steuerliche Überlegungen angestellt. Dies zeige doch auf, dass das Ziel gewesen sei, "etwas Nachhaltiges aufzubauen".

Das Geld der Investoren haben die potenziellen Potenzmittel-Vertreiber gemäss eines Verteidigers auch nicht dazu verwendet, um einen eigenen teuren Lebenswandel zu finanzieren. Es sei in den Aufbau des Unternehmens gesteckt worden. Mit ihrem Wundermittel seien sie "felsenfest überzeugt gewesen, eine Erfolgsgeschichte zu schreiben".

Sollte das Obergericht ihren Anträgen auf Freisprüche nicht folgen, verlangten die Verteidiger, dass dennoch von einer Strafe abzusehen sei. Sie begründeten dies insbesondere mit der langen Verfahrensdauer, mit der das Beschleunigungsgebot verletzt worden sei. Seit Untersuchungsbeginn sind inzwischen 12 Jahre und 3 Monate vergangen.