Nachgefragt

Reha-Kompetenzzentrum: «Mehr Patienten therapieren und Kosten sparen»

Robert Riener Professor für sensomotorische Systeme an der ETH und der Uniklinik Balgrist.

Robert Riener Professor für sensomotorische Systeme an der ETH und der Uniklinik Balgrist.

Die ETH lanciert mit acht neuen Professuren und einem Studiengang ein Kompetenzzentrum für Rehabilitation. Robert Riener ist Professor für sensomotorische Systeme an der ETH und der Uniklinik Balgrist.

Wie profitieren Patienten konkret vom neuen Reha-Kompetenzzentrum?

Robert Riener: Ein Beispiel ist die Neuro-Reha. Nach einem Knochenbruch oder einer Lähmung kann man durch intensives Training Bewegungsfunktionen zurückgewinnen. Das ist vielen Patienten nicht bewusst, und auch Therapeuten fördern es nicht, weil es mehr kostet. Wir haben jetzt Technologien entwickelt, mit denen man intensiver therapieren kann. Man kann längere Sitzungen machen oder mehrere Gelenke gleichzeitig bewegen. Noch nicht so gut funktioniert die Therapie mit dem selbem Gerät von mehrere Patienten gleichzeitig. Man könnte also mit vergleichbaren Kosten wie heute mehr Patienten, oder einen Patienten viel intensiver therapieren.

Wer wäre dabei noch beteiligt, abgesehen von den Entwicklern der Therapie-Roboter?

Es braucht Experten aus dem Gesundheitsbereich und von Krankenversicherungen. Zudem brauchen wir Ökonomen, um zu erforschen, was passiert, wenn mehr Menschen früher wieder gesund sind. Dann hat man Vorteile für die Volkswirtschaft und mehr Geld übrig. Damit könnte man Kosten decken, die man am Anfang der Therapie anfallen.

Welche Lücken könnten Sie bei Ihrer eigenen Forschung schliessen?

Eine Lücke ist die Wundheilung, wofür auch eine Professur geplant ist. Durch das lange Sitzen im Rollstuhl oder das Liegen entstehen oft Druckgeschwüre, oder auch am Schaft bei Prothesen. Es gibt noch viel zu tun, um die Wundheilung zu verbessern und zu vermeiden, dass Wunden überhaupt entstehen. Verbessern könnte man die Wundheilung im Körper. Etwa bei Knie- und Fussprothesen, die in die Knochen eingebaut werden. Dasselbe gilt bei elektrischer Stimulation von Muskeln im Körper. (kme)

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