Todesfall

Regisseur und Intendant Peter Löffler ist gestorben

Peter Löffler 1969.Key

Peter Löffler 1969.Key

Der Zürcher Regisseur, Dramaturg und Intendant Peter Löffler ist tot. Er starb am 30. Juli im Alter von 88 Jahren, wie gestern einer Todesanzeige in der «Neuen Zürcher Zeitung» zu entnehmen war.

Der 1926 in Zürich geborene Löffler war von 1950 bis 1961 Dramaturg und Regisseur am Schauspielhaus Zürich. 1968 wählte das Theater den Kunsthistoriker, Archäologen, Literaturwissenschafter und Schauspieler zum Intendanten. Als Chefdramaturgen holte sich Löffler Klaus Völker aus Berlin.

Löfflers progressiver Spielplan erregte von Anfang an Anstoss. Werner Wollenberger schrieb im Lokalblatt «Züri-Leu»: «13 Vorstellungen bringt dieser revolutionäre Fahrplan – mindestens zehn davon attackieren Zürichs Ordnung.» Auch andere befürchteten einen radikalen Linksruck des Theaters, zumal Löffler mit der Gruppe um den deutschen Regisseur Peter Stein arbeitete. Angriffsfläche bot er, weil er sich kompromisslos zum zeitgenössischen und unbequemen Theater bekannte. Auf seiner Homepage erinnert das Schauspielhaus an den «politisch progressiven Spielplan», der eine «Umwälzung in Zürichs Kulturleben» brachte. Die Aufführungen «auf hohem künstlerischen Niveau» hätten Anstoss erregt, aber auch begeisterte Zustimmung erlebt.

«Early Morning» führte zum Eklat

Zu einem Eklat führte Edward Bonds «Early Morning» unter der Regie von Peter Stein. Auf die unkonventionelle Inszenierung vom 2. Oktober 1969 reagierte das Premierenpublikum tumultuös. Schon jetzt betrachtete es Löffler als untragbar. Gute Noten erhielt das Stück in der Presse, noch unschlüssig war der Verwaltungsrat des Theaters. Während Sigmund Widmer, Stadtpräsident und Mitglied des Verwaltungsrats, eine «einseitig marxistische Tendenz» ortete, ermutigte Willy Staehelin den Intendanten, sich treu zu bleiben. Er freue sich, «dass unser verstaubtes Theater wieder im Gespräch ist und provoziert».

Gespalten war auch das Ensemble. Die Ortsgruppe Schauspielhaus des Schweizerischen Bühnenkünstlerverbandes prangerte Löfflers «ideologische Gleichschaltung» an. Damit meinte sie die Dominanz der von Löffler und Völker engagierten Ensemblemitglieder Bruno Ganz, Jutta Lampe, Edith Clever oder Hanna Schygulla. Unterstützung erhielt Löffler von Schauspielern, Regisseuren und Bühnenbildnern, zudem von «Kunstschaffenden und Freunden des Schauspielhauses»: Der Neubeginn am Schauspielhaus werde durch «Kulturzensur abgewürgt», schrieb etwa Peter Bichsel. Der Protest blieb ohne Wirkung. Die Schauspielhaus-Generalversammlung stimmte dem Antrag des Verwaltungsrates zu und löste den Vertrag mit Löffler und seinem Team auf Ende der Spielzeit 1969/1970 auf. (sda)

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1