Die Nonchalance, mit der Urs Pauli, der geschasste Direktor von Entsorgung Zürich (ERZ), gestern vor die Medien trat, verblüffte. Es mag ja sein, dass er den einst verschuldeten Laden zu einem erfolgreichen städtischen Unternehmen gemacht hat, das international für seine ökologischen Innovationen Beachtung findet. Selbst sein Vorgesetzter, der Zürcher FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger, stellte ihm in diesem Punkt ein gutes Zeugnis aus, als er gestern Paulis sofortige Freistellung bekannt gab.

Es mag auch sein, dass unternehmerisches Handeln manchmal rasch und unkonventionell sein muss. Doch für einen Direktor eines städtischen Betriebs gelten besondere Massstäbe. Es ist schliesslich Geld der öffentlichen Hand, das er in die Hand nimmt. Daher wirkt es befremdlich, wenn ein städtischer Direktor sich mal eben einen teuren Dienstwagen genehmigt und sich dabei gleichsam auf Gewohnheitsrecht beruft. Leutenegger hat daher mit gutem Grund Strafanzeige gegen Pauli eingereicht.

Noch ist die ERZ-Affäre nicht restlos aufgeklärt, und für Pauli gilt die Unschuldsvermutung. Doch etwas mehr Sensibilität für demokratische Gepflogenheiten hätte man von einem Direktor im Dienste der Öffentlichkeit durchaus erwarten können. Auch für starke Macher gelten Regeln.

Ausgestanden ist die ERZ-Affäre mit Paulis Abgang noch nicht. Die Parteien pochen zu Recht auf mehr Transparenz über die bisherigen Abklärungen des Stadtrats. Erst wenn die entsprechenden Berichte offengelegt sind, lässt sich ermessen, wieweit Pauli wirklich der eigenmächtige Herrscher in seinem kleinen Königreich war, als der er jetzt dargestellt wird. Einer, der auch mal den Gemeinderat umging, um seinem Unternehmen zum Erfolg zur verhelfen.
Fest steht: Bei Entsorgung und Recycling Zürich ist eine neue Betriebskultur nötig, die den demokratischen Spielregeln mehr Respekt zollt.