Die Kirchensynode nutzte die Eintretensdebatte, um die Reformziele grundsätzlich einzuordnen und je nach Fraktion und Kirchenbild unterschiedlich zu bewerten, teilte die Evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich am Dienstag mit.

Dabei kritisierten mehrere Synodemitglieder, dass die Teilrevision die Anliegen der grossen Gemeinden zu sehr favorisiere und die kleinen stärker unter Druck gerieten. Ein Rückweisungsantrag, um gar nicht erst auf die Vorlage einzutreten, blieb jedoch erfolglos: Er wurde mit 84 zu 11 Stimmen abgelehnt.

Mehr Offenheit der Kirche

Ein Thema bei der Detailberatung zur Teilrevision der Kirchenordnung, die die Grundzüge des kirchlichen Lebens der reformierten Landeskirche und ihren Kirchgemeinden definiert, war die Taufe. Diese findet nach reformiertem Verständnis grundsätzlich in einem Gemeindegottesdienst statt.

Neu können Pfarrerinnen und Pfarrer Taufen in begründeten Fällen auch ausserhalb des Gemeindegottesdienstes vornehmen. Eine Mehrheit sprach sich für die Formulierung des Kirchenrates aus und kommt so Taufeltern, die beispielsweise andere Vorstellungen haben, entgegen. Kirchenrat Andrea Marco Bianca sprach denn auch von einem Signal der Offenheit gegenüber Taufeltern, die ihr Kind zur Taufe bringen möchten, wie es weiter heisst.

Ähnliche Signale einer leichten Flexibilisierung gab es laut der Landeskirche auch bei der Ortswahl der Trauungen und Abdankungen. Zwar hält die Kirchenordnung auch hier im Grundsatz weiterhin fest, dass Trauungen und Abdankungen in der Kirche respektive Abdankungshalle stattfinden - "aber Pfarrpersonen können auf Wunsch des Brautpaares respektive der Angehörigen die Feier an einem anderen Ort durchführen".

Damit würden die Pfarrerinnen und Pfarrer nicht zu Dienstleistern, sagte Jacqueline Sonego Mettner, Präsidentin der vorberatenden Kommission. Denn die Entscheidung bleibt bei ihnen.

Gesetzliche Anpassungen notwendig

Anlass für die Teilrevision ist unter anderem der Prozess Kirchgemeinde Plus: Damit sich Kirchgemeinden zu grösseren Einheiten zusammenschliessen und die Kräfte bündeln können, sind gesetzliche Anpassungen notwendig. Ausserdem müssen einzelne Bestimmungen an das übergeordnete Recht angepasst werden.

Neu soll der Kirchenrat beispielsweise den Kirchgemeinden die ordentlichen Pfarrstellen und Ergänzungspfarrstellen nicht mehr zuweisen - vielmehr erhält jede Kirchgemeinde aufgrund ihrer Mitgliederzahl ein Gesamtpfarrstellenpensum zugeteilt. Auch soll die Wohnsitzpflicht für Pfarrpersonen gelockert werden.

Die Kirche will die Teilrevision der Kirchenordnung, die in ihrer revidierten Form 2010 in Kraft trat und für alle Kirchgemeinden des Kantons massgeblich ist, aber auch dafür nutzen, um neue Regelungen für die Gestaltung des kirchlichen Lebens einzuführen.

Die Kirchensynode führt die Beratung im April und Mai weiter und will die Teilrevision bis Mitte Mai zuhanden der Urnenabstimmung verabschieden. Anschliessend sollen die reformierten Stimmbürger im September an der Urne darüber befinden.