Kanton Zürich
Reformierte bremsen Reformprojekt: Fusionen von Kirchengemeinden verzögert sich bis 2023

Die evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich nimmt sich mehr Zeit für das grosse Reformprojekt "KirchGemeindePlus". Sie zeigt zudem auf, welche Kirchgemeinden dereinst fusionieren könnten. Das Kirchenparlament hatte mehr Klarheit zum Strukturprozess gefordert.

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Der Kirchturm der evangelisch-reformierten Stefanskirche der Kirchgemeinde Hirzenbach in Schwamendingen

Der Kirchturm der evangelisch-reformierten Stefanskirche der Kirchgemeinde Hirzenbach in Schwamendingen

Keystone

Das Ziel bleibt das gleiche: Die Zahl der evangelisch-reformierten Kirchgemeinden im Kanton soll durch Fusionen reduziert werden, von heute 174 auf künftig 39. Geändert hat der Zeitplan: Nicht wie geplant 2018, sondern erst 2023 soll die Strukturreform abgeschlossen sein, wie Vertreter des Kirchenrates am Donnerstag bekanntgaben.

"Wir haben die Möglichkeit erhalten, unsere Pläne zu erklären und Missverständnisse aus dem Weg zu räumen", sagte Kirchenratspräsident Michel Müller vor den Medien. Neben dem neuen Zeitplan präsentierte der Kirchenrat zudem erstmals den Entwurf einer Karte mit Vorschlägen, welche Gemeinden zusammengelegt werden könnten.

Grund für die zusätzlichen Informationen war die Zurückweisung eines Berichts zum Reformprojekt durch das Kirchenparlament im vergangenen Herbst. Es fehle den Plänen an Klarheit, hatte die Synode kritisiert. Zudem erachtete sie den Zeitplan als zu ambitioniert und wollte mehr über die Finanzierung wissen.

Der nun vorgelegte Ergänzungsbericht liefert Antworten darauf. "Unser Reformplan bietet die Grundlage für Gespräche", sagte Kirchenrat Daniel Reuter. Er zeige auf, wohin die Reise führen könnte, sagte er zu den vorgeschlagenen Zusammenschlüssen. "Als Legislative müssen wir dabei eine gewisse Führung übernehmen."

Jährlich 5000 Kirchenaustritte

Zahlreiche kleine Kirchgemeinden haben immer mehr Mühe, für ihre Ämter geeignete Personen zu finden. Oder sie haben kein Geld, um gute Leute zu bezahlen. Die oft einzige Pfarrperson in der Gemeinde findet vielleicht den Zugang zu einem Teil der Bevölkerung - zu einem anderen aber kaum. Immer mehr Kirchenmitglieder treten aus, Alte sterben weg und nur wenige Junge kommen nach.

"Es ist unausweichlich, dass wir die Kräfte bündeln", sagte der Kirchenratspräsident. Die evangelisch-reformierte Landeskirche des Kantons Zürich verliert jährlich rund 5000 Mitglieder, was auch eine Abnahme der Ressourcen mit sich bringt. Man müsse auf diese Entwicklungen reagieren, sagte Müller.

Dem Kirchenrat schwebt für die Zukunft eine Form zwischen institutioneller Dienstleistungskirche und engagierter Beteiligungskirche vor. "Die Kirchgemeinden sind mindestens so gross, dass sie den Service public in guter Qualität erbringen können und höchstens so gross, dass sie die Nähe zu den Mitgliedern pflegen können", sagte Müller.

Bis 2019 will der Kirchenrat die neuen Strukturen schrittweise umsetzen. Um auf die unterschiedlichen Tempi der Kirchgemeinden Rücksicht zu nehmen, wurden vier Zeitfenster definiert, in denen die Kirchensynode Zusammenschlüsse bewilligt. Bis 2023 soll die Strukturreform abgeschlossen sein.