Nachdem der Direktor von Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ) wegen ungetreuer Amtsführung freigestellt worden war, waren weitere Verfehlungen ans Tageslicht gekommen. Eine externe Untersuchung soll nun etwas Klarheit bringen, sagte Stadtrat Filippo Leutenegger an einer Medienkonferenz. 

Zu den bekanntgewordenen Verfehlungen gehörte nicht nur ein geheimer Safe, sondern auch von Kompetenzüberschreitungen, Verstösse gegen das Submissionswesen und «Ungereimtheiten bei den Beteiligungen von ERZ» war die Rede. Letzterer räumte bereits Filippo Leutenegger im Fall der Rolf Bossard AG an der Medienkonferenz ein. So habe für diesen Auftrag nie eine Submission stattgefunden. Die «NZZ» berichtet nun, dass auch bei dieser Firma Urs Pauli Verwaltungsratspräsident ist und die Firma sogar zu 100 Prozent im Besitz der Stadt Zürich ist. «Die Stadt hat also ihrer eigenen Firma einen Auftrag ohne Ausschreibung zugehalten» schreibt die «NZZ».

Totalschaden vermeiden

Das Recyclingwesen ist heute so spezialisiert, dass auch Entsorgung und Recycling Zürich auf die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen oder privaten Firmen angewiesen ist. An einigen dieser Firmen ist ERZ auch beteiligt. 

Mit der Recyclingfirma Rolf Bossard AG hatte die Stadt schon vor ihrem Kauf 2005 einige Jahre Geschäfte getätigt, meldet die «NZZ». Immer deutlicher zeichnete sich damals ab, dass die Firma ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte. Die Zahlungsrückstände gegenüber ERZ hatten sich auf rund eine halbe Million Franken erhöht. Um den Totalschaden zu vermeiden, kaufte die Stadt die Firma für einen Betrag von 470`000 Franken. Damals ging man von einer Übergangslösung aus. So sollte die Firma entweder wieder verkauft oder ins städtische Abfuhrwesen integriert werden. Dieser Meinung teilten die ERZ und der Stadtrat allerdings nicht. 

Unterschiedliche Lohnsummen

Zu diesem Schluss kamen das ERZ und der Stadtrat weil die Schulden noch nicht abgetragen worden seien. Allerdings kann auch ein anderes Argument für diesen Entscheid aufgeführt werden, wie die «NZZ» schreibt. So gehört die Rolf Bossard AG zwar zu 100 Prozent der Stadt. Es gilt für deren Angestellte aber nicht das gleiche, strenge Personalrecht. So verdienen Angestellte bei der Stadt bis zu 5829 Franken im Monat, hingegen bei der Rolf Bossard AG maximal 4100 Franken.