Unter dem Motto "Reclaim the Street" - "Holt euch die Strasse zurück" - waren Mitte Dezember 2014 rund 200 Demonstranten von Wiedikon über die Langstrasse bis zur Europaallee gezogen und hatten eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Autos und Container wurden angezündet, unzählige Fenster eingeschlagen, Hausfassaden mit Farbe verschmiert und aus einigen Schaufensterauslagen Waren gestohlen.

Die Stadtpolizei Zürich sprach von einem eigentlichen "Saubannerzug durch die Stadtkreise 3 und 4". Die Polizeikräfte seien aus kurzer Distanz mit Steinen und Feuerwerkskörpern beschossen worden. Eine der brennenden Fackeln wurde in ein Polizeiauto geworfen. Dabei fing die Uniform einer Polizistin Feuer.

Erstes Strafurteil

Das Bezirksgericht Zürich hat zu den Vorfällen am Dienstag nun sein erstes Urteil gefällt. Wenige Mitbeschuldigte sollen allerdings bereits per Strafbefehl verurteilt worden sein.

Das Gericht hat einen heute 21-jährigen arbeitslosen Syrer wegen Landfriedensbruchs zu einer bedingten Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu 20 Franken verurteilt, abzüglich von 16 Tagen Untersuchungshaft. Zudem muss er die Gerichtskosten von 1500 Franken tragen.

Die Staatsanwaltschaft hatte neben Landfriedensbruch zusätzlich eine Sachbeschädigung eingeklagt. Denn der Mann soll während der Ausschreitungen bei einem parkierten Auto den linken Aussenspiegel abgeschlagen und das Fahrzeug zerkratzt haben. Der Staatsanwalt verlangte deshalb eine bedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten.

"Spontaner Mitläufer"

Der Beschuldigte war am ersten Prozesstermin im Februar unentschuldigt nicht erschienen. Nun trat er persönlich und ohne Verteidiger vor die Schranken und gab zu, dass er an der illegalen Demonstration teilgenommen habe, allerdings nur spontan und als Mitläufer.

Die mutwillige Beschädigung des Fahrzeugs stritt er ab. Seine Blutspritzer seien versehentlich auf den Aussenspiegel gelangt.

Das Gericht sah den Vorwurf des Landfriedensbruchs als klar erwiesen an. Allerdings stuften die Richter den Mann lediglich als Mitläufer ein. "Hätte er als einer aus dem harten Kern der Linksautonomen mitgemacht, wäre der Gerichtssaal mit Gleichgesinnten gefüllt gewesen", zeigte sich der Gerichtsvorsitzende überzeugt.