Die Fronten zwischen den Betreibern des Juckerhofs und dem Gemeinderat sind verhärtet. Nun wird der Konflikt auf dem Rechtsweg weiterverfolgt. Um nachzuvollziehen, wie es zu einer derart verfahrenen Situation kommen konnte, muss man ein Stück zurückgehen. 1997 schlossen sich die Brüder Martin und Beat Jucker mit ihrem Vater zur Betriebsgemeinschaft Jucker Obstbau zusammen.

Im gleichen Jahr fand zum ersten Mal die Kürbisausstellung statt. Der Juckerhof liegt mitten in der beliebten Ausflugsregion Pfäffikersee, was einen regen Zustrom an Besuchern garantiert. Zusätzlich etablierte sich der Hof mit verschiedenen Gastroangeboten, einem Bauernhof-Erlebnisbetrieb und saisonalen Festivals. Neben dem Kürbisfestival gehört auch die Strohausstellung dazu. Diese lockt grosse Mengen an Leuten in die beschauliche Gemeinde am See. Mit der Ruhe ist es während der Ausstellungen vor allem an den Wochenenden vorbei.

Keine schnelle Lösung in Sicht

Derartig grosse Veranstaltungen unterliegen laut Dürst kantonalen Verordnungen. Die Gemeinde habe sich jahrelang kulant gezeigt und nach unbürokratischen Lösungen gesucht. In den letzten Jahren aber kippte die Stimmung: Der Gemeinderat bestand im Januar 2014 im Interesse der Einwohner von Seegräben darauf, dass die Juckerfarm nachträglich eine Bewilligung für das Strohfestival einholt. Er erhielt die Zusicherung des gesamten Verwaltungsrats der Jucker Farm, eine nachträgliche Bewilligung zu beantragen.

Die Juckerfarm kam der Aufforderung nach und erstellte zusammen mit dem Anwalt des Unternehmens ein Bewilligungsgesuch, das «bis ins Detail verhebt», so Jucker. Dürst ist da anderer Meinung: «Der Antrag traf verspätet ein und genügt qualitativ bei weitem nicht, um einen Entscheid fällen zu können». Neben anderen Punkten seien die zeitliche Dauer und auch die Anzahl erwarteter Besucher im Antrag unklar geblieben. Eine Bewilligung auf dieser Grundlage wäre bei kritischen Gemeindemitgliedern auf Unverständnis gestossen, so Dürst. Deshalb wurde sie nicht erteilt.

Jucker ist enttäuscht: «Was bis gestern legal war, ist nun auf einmal illegal. So können wir den Betrieb nicht aufrechterhalten.» Wie viele Besucher jeweils kämen, könne man im Voraus nie wissen. Denn die meisten seien sowieso in der Ausflugsregion rund um den See unterwegs und kämen nur kurz auf Kaffee und Kuchen bei der Jucker Farm vorbei, so Jucker. Der Gemeinderat sei mit seiner Absage auch einer Anfrage an den Regierungsrat zuvorgekommen, die die Hierarchie der verschiedenen Gesetze, Verordnungen und Richtpläne klären soll. Das sei für ihn schwer nachvollziehbar.

Überhaupt sei die Begründung des Gemeinderats «Juristenfutter». Die Absicht dahinter aber sei klar, so Jucker: «Wenn die Farm weg ist, gibt es weniger Ärger». Dürst hält dagegen, dass die Jucker Farm gleich mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit gegangen sei, statt das Gespräch zu suchen.

Beide Parteien werfen sich gegenseitig vor, nicht zu Gesprächen bereit zu sein. Deshalb wird das Ganze nun auf dem Rechtsweg weitergetragen. Es sei sinnvoll, dass die Angelegenheit gerichtlich geklärt werde, sagt Dürst. Auf keinen Fall wolle der Gemeinderat dem Hof den Garaus machen. «Aber wenn die Jucker Farm dichtmachen will, kann Seegräben das verkraften.»