Red-Bull-Flugtag
«Ready for Steak-Off» – Ein Stück Fleisch geht in die Luft

Sechs ETH-Studenten gehen am Samstag auf Rekordjagd. Am Red-Bull-Flugtag stürzen sie sich mit ihrem fliegenden Steak in den Zürichsee und greifen die Bestweite an.

Heinz Zürcher
Drucken
Teilen
Die ETH-Studenten mit dem bereits fertiggestellten, zehn Meter langen Flügel.

Die ETH-Studenten mit dem bereits fertiggestellten, zehn Meter langen Flügel.

Zur Verfügung gestellt

78,65 Meter. So weit sind die «Chicken Whisperers» geflogen – vor drei Jahren am Red-Bull-Flugtag in Long Beach, Kalifornien. Seither sind alle Versuche, den Rekord der fünf Kalifornier zu brechen, spektakulär gescheitert. Spektakulär, weil die meisten Teilnehmer dieser Eventreihe schon nach wenigen Metern in den See plumpsen, nicht selten in halsbrecherischer Manier. Es geht um Unterhaltung, wenn die Fünferteams über die 30 Meter lange und 6 Meter hohe Rampe rennen und ihr Flugobjekt samt Piloten auf die kurze Reise schicken. Show und Kreativität werden bei der Platzierung genauso gewichtet wie Weite.

Auch am Samstag, wenn der Veranstalter auf die Zürcher Landiwiese zum Ereignis einlädt, dürfte die Mehrheit der 50 Versuche weit vor der Bestmarke enden. An den Start gehen unter anderem ein fliegender Teppich, ein riesiger Schmetterling und ein Steak mit Flügeln.
Letzteres wird derzeit in einer Werkstatt im Zürcher Technopark fertiggestellt. «Ready for Steak-Off» heisst das Team, das sich aus ETH-Studenten im Alter von 24 bis 27 Jahren zusammensetzt. Auch ihnen geht es in erster Linie um Spass. Die angehenden Maschinenbauingenieure wären aber keine solchen, hätten sie nicht den Ansporn, ihr fliegendes Steak möglichst weit über das Wasser segeln zu lassen, bevor es samt Pilot im Zürichsee landet.

Das Flugmodell von «Ready for Steak-Off».

Das Flugmodell von «Ready for Steak-Off».

Zur Verfügung gestellt

Erfahrung mit Rekorden

Sollten sie die 78 Meter übertreffen, wäre es nicht ihr erster Rekord. Im Juni hatten sie mit Studienkollegen mit ihrem Formula-Student-Boliden eine Bestmarke für Elektrofahrzeuge geschafft. Ihr Elektroauto beschleunigte in 1,513 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Das Fahrzeug benötigte dazu lediglich 30 Meter – eine Strecke, so kurz wie die Rampe am Flugtag. Dort ist es allerdings verboten, das Flugobjekt mit einem Motor zu betreiben. Die Startgeschwindigkeit muss mittels Muskelkraft erzeugt werden. «25 km/h sollten wir schaffen», sagt Lucien Segessemann, einer der vier Anschieber, die, passend zum Steak, in Ketchup- und Senf-Kostüm über die Rampe sprinten werden.

Ihr Pilot, Philipp Mazenauer, gibt den Grillmeister. Er wird von einem 10 Meter breiten Flügel getragen und versuchen, das 35 Kilogramm leichte Modell möglichst weit zu steuern. Nicht nur weil er der Kleinste im Team ist, fiel die Wahl des Steuermanns auf ihn. Der Innerschweizer ist bereits mit 17 Jahren geflogen, hat die fliegerische Vorschule absolviert und besitzt die Pilotenlizenz. Trotz dessen wagt er keine Prognose. «Ob der Versuch gelingt, wird auch von Wind und Wetter abhängen», sagt Mazenauer. «Und Flugtests sind ja nicht möglich.»

Trockenübungen können zwar Aufschluss geben, wie sich der Eigenbau beim Anschieben verhält und wie die Heckflügel eingestellt werden müssen. Der Konstruktion liegen jedoch mehrheitlich Berechnungen und Simulationen am Computer zugrunde. Am längsten feilten die Master-Studenten an den Trägern. Die Teile aus Faserverbundkunststoff sind leicht und stabil. Aber kaum so robust, dass sie die Landung und die anschliessende Bergung schadlos überstehen werden.

Tüfteln statt lernen

Immerhin werden die Materialkosten in der Höhe von rund 3000 Franken von einem Sponsor gedeckt. Dessen aktueller Werbeslogan («Jetzt chame grilliere») passt zum Sujet der jungen Tüftler. «Die Idee für Flugzeug und Name hatten wir aber schon vor der Sponsoring-Anfrage», stellt Lucien Segessemann klar. Am Anfang des Freizeitprojekts stand ein gemeinsames Steak-Essen.

Seither haben die Studenten einige hundert Arbeitsstunden in den Bau gesteckt: Obwohl ihr Semester seit fünf Wochen zu Ende ist und sie eigentlich lernen sollten. Im August stehen wichtige Prüfungen an. «Wir mögen eben das Praktische», sagt Team-Mitglied Adrian Rüeger und zuckt mit den Schultern: «Und wer kann schon von sich behaupten, einmal ein eigenes Flugzeug gebaut zu haben.»