Zürich
Razzia wegen Mietzins-Wucher in Zürcher Gammel-Liegenschaft

Kantons- und Stadtpolizei Zürich haben am Dienstagmorgen im Zürcher Kreis 4 eine Grossaktion gegen Mietzins-Wucher durchgeführt. Der Hauseigentümer sowie drei Mitarbeiter der Liegenschaftsverwaltung wurden verhaftet.

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Wucher-Mieter werden von der Stadt Zürich vermehrt kontrolliert. Bild: Haus an der Bucheggstrasse, Zuerich

Wucher-Mieter werden von der Stadt Zürich vermehrt kontrolliert. Bild: Haus an der Bucheggstrasse, Zuerich

watson/Rafaela Roth

Die Stadt Zürich macht ernst: Die vor ein paar Monaten angekündigten verschärften Kontrollen gegen Wucher-Vermieter werden mittels Grosseinsätzen umgesetzt.

Die Polizei befragte in drei Mehrfamilienhäusern rund 120 Bewohnerinnen und Bewohner aus sozial schwächeren Schichten.

Bei den Verhafteten handelt es sich um drei Männer und eine Frau im Alter zwischen 39 und 56 Jahren. Sie stammen aus der Schweiz und dem Libanon, wie Stadt- und Kantonspolizei gemeinsam mitteilten. Die Staatsanwaltschaft hat ein Strafverfahren wegen Wuchers eröffnet.

Um Wucher handelt es sich laut Strafgesetzbuch, wenn die Zwangslage einer Person ausgebeutet wird und Leistung und Gegenleistung in offenbarem Missverhältnis stehen. Gewerbsmässiger Wucher wird mit einer Freiheitsstrafe von einem bis zehn Jahren bestraft.

Die Mietpreise setzt der Mieter auf die Maximalgrenze an, die von der Sozialhilfe übernommen wird.
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Schamlose Vermieter nutzen in der Stadt Zürich die Not von Flüchtlingen aus, um Kleinstwohnungen zu Wucherpreisen an den Mann zu bringen. Die Stadt ist dagegen machtlos.
Ein 12 Quadratmeter grosses Zimmer für vier Kinder.
Der letzte Anstrich ist Jahrzehnte her.
Dieses heruntergekommene Haus an der Bucheggstrasse vermietet Besitzer Urs Tschenett an Flüchtlinge, Asylanten und vorläufig Aufgenommene.
Zwischen die alten Häuser hat der Besitzer einen Neubau gequetscht. Die Fenster in den alten wurden kurzum zugemauert.
Aus Platznot lagern die Menschen vor dem Haus ihr Hab und Gut.
Der Ausbauzustand im Neubau ist minimal.
Ein Zimmer für zwei Personen in einer 5-Zimmer-Wohnung. Küche und Toilette werden geteilt. Kostenpunkt dieses Zimmers: 1400 Franken.
Auch um den Garten kümmert sich niemand.
Um die Instandhaltung kümmert sich der Vermieter kaum.
1400 Franken ist der Maximalmietzins, den die Sozialhilfe für zwei Personen übernimmt.
Toiletten und Küchen werden von mehreren Familien geteilt.
Die Wände sind verschmiert, in den Ecken schimmelt es.
Um die Elektrizität kümmern sich die Bewohner weitgehend selbst.
Diese Küche teilen sich acht Personen.
Keller hat hier niemand. Sie wurden zu Wohnungen umfunktioniert.

Die Mietpreise setzt der Mieter auf die Maximalgrenze an, die von der Sozialhilfe übernommen wird.

watson/Rafaela Roth

In den drei Mietshäusern an der Neufrankengasse und der Magnusstrasse deckten die Behörden zum Teil desolate Zustände auf. Dort lebten mindestens 120 Menschen, auf engstem Raum und zu überteuerten Preisen, heisst es in der Mitteilung. Die Wasser-, Strom- oder Wärmeversorgung funktionierten teilweise nicht.

Sanitäre Anlagen gab es in einem Wohnhaus lediglich in Form von Etagentoiletten, die aber auch nur teilweise funktionierten. Für ein Zimmer mit rund 10 bis 20 Quadratmetern verlangte der Vermieter eine Miete von über tausend Franken pro Monat. Ein Teil der Mietobjekte in den sanierungsbedürftigen Häusern verfügt nur über beschränktes Tageslicht. Viele der Bewohner sind Sozialhilfebezüger.

Die Feuerpolizei und das Amt für Umwelt- und Gesundheitsschutz der Stadt Zürich hatten den Eigentümer mehrfach auf die Mängel aufmerksam gemacht. Bislang sind laut Polizei jeweils nur die nötigsten Reparaturen vorgenommen worden.

Die Zustände seien schon längere Zeit bekannt, sagte ein Sprecher der Kantonspolizei. Der Polizeiaktion seien umfangreiche Abklärungen vorausgegangen.