Zürich
Raumentwicklung: Wie der Kanton das Wachstum abfedern will

Um 20 Prozent steigt die Einwohnerzahl im Kanton Zürich bis 2040. Der Kanton werde aber nicht zugebaut, sagt der Regierungsrat.

Oliver Graf
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Eine Baustelle in Zürich West (Symbolbild)

Eine Baustelle in Zürich West (Symbolbild)

Keystone

Die Prognosen zeigen ein klares Bild: Das Bevölkerungswachstum im Kanton Zürich wird unvermindert weitergehen. Bis ins Jahr 2040 dürfte die Zahl der Einwohner auf 1,7 Millionen steigen. Gegenüber heute entspricht dies einem Plus von 278 000 Personen – oder fast 20 Prozent.

«Dieses Wachstum stellt den Kanton vor grosse Herausforderungen», sagte Baudirektor Markus Kägi (SVP) gestern an einer Pressekonferenz. Und dies nicht nur wegen der Bauerei, die nötig ist, um den erforderlichen Wohn- und Arbeitsraum zu schaffen. «Zahlreiche weitere Bereiche, etwa der öffentliche Verkehr oder die kantonalen Finanzen, sind betroffen.» Aus diesem Grund hat der Regierungsrat nun eine «langfristige Raumentwicklungsstrategie» erarbeitet, an der sämtliche Direktionen beteiligt waren. Diese Strategie soll die Schlüsselfrage beantworten, wie die hohe Standort- und Lebensqualität beibehalten werden kann.

Denn trotz Wachstum: «Wir bauen den Kanton nicht zu», sagte Kägi. Und Wilhelm Natrup, der Chef des Amtes für Raumentwicklung, relativierte die Zuwachsprognosen: «Zürich wird nicht zu Hongkong oder London.» Der Kanton Zürich sei ja so gross wie Grosslondon, wo aber nicht nur 1,4 Millionen, sondern 10 Millionen Personen lebten. Es bestünde Potenzial, etwa in Bülach Nord, grosse Areale neu zu bebauen: «Das erwartete Bevölkerungswachstum lässt sich gut unterbringen», sagte Natrup. Und Kägi präzisierte, dass 80 Prozent des Bevölkerungswachstums in den urbanen Zentren erfolgen soll.

Von den Grünen kommt Kritik

Die gestern vorgestellte «langfristige Raumentwicklungsstrategie» ist – anders als etwa die bestehenden Richtpläne – ein informelles Instrument. Die Grünen des Kantons Zürich kritisieren aus diesem Grund den fast 100 A4-Seiten umfassenden Bericht: Es fehle ihm «an klaren Plänen und Instrumenten, wie die Ziele erreicht werden sollen». Der Regierungsrat spricht denn auch bloss von einem «Kompass», der der Verwaltung und auch den Gemeinden als «Orientierungsrahmen» dienen soll.

Die Strategie des Regierungsrates basiert auf sieben Pfeilern: Er will die Zentren stärken, die natürlichen Lebensgrundlagen erhalten, räumliche Entwicklungsmöglichkeiten für den Wirtschaftsstandort schaffen, Wohnraum ermöglichen, ortsspezifische Dichte entwickeln, Freiräume für Erholung anbieten und lokale Identitäten entwickeln.

Das klingt, wie es sich für ein Leitbild gehört, etwas abgehoben. Die Ziele sind aber durchaus konkret. So verwies etwa Volkswirtschaftsdirektor Ernst Stocker (SVP) auf mögliche Schulraumplanungen oder flexiblere Arbeitszeitmodelle, mit denen sich die Spitzen der Pendlerströme brechen und so Engpässe ohne teure Investitionen beseitigen liessen. Und der kantonale Innenminister Martin Graf (Grüne) erklärte, dass sich trotz «des Problems der Dichteakzeptanz» die angestrebte innere Verdichtung erreichen liesse. Sofern die betroffene städtische Bevölkerung davon profitieren könne – sei dies durch günstigeren Wohnraum, weniger Lärm oder eine bessere Anbindung an den öffentlichen Verkehr. (og)