Zürich
Räume für digitale Nomaden: Das Betahaus kommt nach Zürich

Einen Büroplatz nur für so viele Tage mieten, wie man ihn braucht - und das Büro dabei mit kreativen Menschen verschiedenster Herkunft teilen: Diese Idee, genannt Co-Working, lernten Mark Struck und Olivier Schneller im Berliner Betahaus kennen.

Matthias Scharrer
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Struck und Schneller waren begeistert: «Obwohl ich ziemlich gross bin, fühlte ich mich nach meinem Besuch dort klein. Ich war ein Fan geworden», erinnert sich Schneller (31), der gerade seine Dissertation in Volkswirtschaft abgeschlossen hat. Struck und Schneller beschlossen, das auch in Hamburg und Köln erprobte Modell nach Zürich zu importieren.

Die Suche nach einem geeigneten Raum dafür zog sich über ein Jahr lang hin. «Co-Working ist noch kein etablierter Begriff», erklärt Struck. Nun eröffnen Struck und Schneller am 1. Juli das Betahaus Zürich - zunächst als zweimonatiges Pilotprojekt in den Räumen des begehbaren Kulturmagazins Peripher, das gerade Sommerpause macht.

Für den Erfolgsfall, an den beide fest glauben, haben sie bereits Räume für ein grösseres, längerfristiges Betahaus Zürich ins Auge gefasst.

Sie führen den Besucher durch die noch leeren Zimmer im provisorischen Betahaus. Zwei Büroräume mit zwölf Arbeitsplätzen sowie eine Café-Lounge sind in dem Alt-Wiediker Haus an der Zweierstrasse 176 vorgesehen.

Arbeitsplätze mit Internetzugang und Drucker

Die Arbeitsplätze umfassen jeweils einen eigens fürs Betahaus entworfenen Tisch, drahtlosen Internetzugang und Drucker. Bei schönem Wetter kann man auch unter dem Vordach vor dem Haus arbeiten.

Das Angebot zielt auf digitale Nomaden ab, die zum Arbeiten kaum mehr als einen Laptop brauchen. Leute, die für ein Projekt nach Zürich kommen. Oder Einheimische, die selbstständig arbeiten, denen aber die eigene Wohnung oder ein Café als Arbeitsort nicht passt.

Was das Betahaus von herkömmlichen Bürogemeinschaften unterscheidet: Die Belegschaft wechselt von Tag zu Tag. Anders als im sonstigen persönlichen Umfeld komme man immer wieder mit neuen Leuten in Kontakt - und so auf neue Ideen. «Austausch ist die Essenz des Betahauses», sagt Schneller.

Für den 31-jährigen Zürcher ist das Betahaus der erste Job nach dem Studenten- und Doktorandenleben. Der Zweimetermann, der auch schon Surfcamps in der Normandie leitete, wagt damit den Sprung in die Selbstständigkeit.

Sein Geschäftspartner Mark Struck (48), promovierter Biochemiker und in der Modebranche tätig, blickt auf ein längeres Berufsleben zurück. Seine Erfahrung: «Selbst in Firmen, die sich bemühen, ist die Arbeitsatmosphäre oft schlecht.» Was ihn störte: «Immer dieses Zwanghafte! Wohlgefühlt habe ich mich damit nie so richtig. Das Leben ist nicht der bezahlte Corporate Job.»

Bereits rund 50 Interessenten

Dem Zwanghaften setzt das Betahaus die Möglichkeit freier Zusammenarbeit entgegen, gelegentlich ergänzt mit Netzwerk-Events am Abend. Das Modell stösst auf immer mehr Anklang: Neben Berlin, Hamburg, Köln und Zürich laufe auch ein entsprechendes Projekt in Lissabon. «Es gab auch schon eine Anfrage aus Antwerpen», sagt Struck. Und für die Arbeitsplätze in Zürich - sie kosten 20 Franken am Tag - hätten sich bereits rund 50 Interessenten gemeldet.

Trotz dem gemeinsamen Namen seien die Betahäuser voneinander unabhängig. Man tausche sich zwar gegenseitig aus, und wenn jemand mit einem Betahaus-Ticket aus Köln komme, gelte dies auch in Zürich. Doch gemeinsame Firmenstrukturen gebe es nicht - zumindest bisher.

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