Am Freitag haben Sie den Medien die nun wieder abgebauten Ikea-Häuser präsentiert. Dass da bereits Bedenken bezüglich Brandschutz vorhanden waren, liessen Sie unerwähnt – haben sie die Bedenken unterschätzt?

Raphael Golta: Als wir die Wohneinheiten gekauft haben, gab es keine Anzeichen, dass sie bezüglich Brandschutz problematisch sein könnten. Erst in der vergangenen Woche wurde die Gebäudeversicherung durch einen neuen deutschen Test auf mögliche Mängel aufmerksam. Von gewissen Bedenken wussten wir am Freitag zwar, deren Ausmass wurde aber erst im Verlaufe des Tages klar.

Seit Anfang November wissen Sie, dass die Stadt Zürich ab Januar statt rund 2000 neu fast 2800 Asylsuchende betreuen muss. Ging es bei der Planung zu schnell?

Das Problem mit dem Brandschutz ist nicht dem Zeitdruck geschuldet. Die diesbezüglichen Abklärungen haben wir getroffen. Der deutsche Test hat unerwartet neue Fakten geschaffen. Der Kauf der Häuser war zum damaligen Zeitpunkt kein Fehler. Die Erhöhung der Aufnahmequote, die der Kanton beschlossen hatte, war für uns schon eine Herausforderung. Es war ein grosser Hosenlupf, 780 Plätze innert zweier Monate bereitstellen zu können. Indem wir drei Durchgangszentren in Zivilschutzanlagen und dieses Übergangszentrum in der Halle 9 der Messe Zürich einrichten können, gelingt uns dieser Hosenlupf.

Das Problem ist aber nicht
gelöst, es sind nur Provisorien.

Die Menschen sind jetzt da. Wir müssen ihnen jetzt Wohnraum zur Verfügung stellen. In dieser kurzen Zeit war dies realistischerweise nur mit solchen Übergangszentren möglich. Die Stadt Zürich und die damit beauftragte Asylorganisation Zürich AOZ sind aber stets auf der Suche nach Wohnraum, den wir mieten können. Angesichts des Wohndrucks ist das in der Stadt nicht einfach.

Die Stadt hofft auch auf Privatpersonen. Haben sich einige gemeldet?

Das ist ein Projekt, das eigentlich erst in der Startphase steckt. Aber wir haben bereits gegen 60 Angebote von Privatpersonen erhalten. Rund die Hälfte davon scheint geeignet zu sein. Die ersten Flüchtlinge konnten wir im September in Wohnraum unterbringen, der uns von privater Seite vermietet wurde.

Es ist nur die Hälfte der Angebote nutzbar – woran scheitert es am häufigsten?

Es sind insbesondere die zeitlichen Vorstellungen, die nicht passen. Wir suchen Wohnraum, der mindestens für ein halbes Jahr zur Verfügung gestellt werden kann. Für zwei, drei Wochen geht es einfach nicht. Es ist auf aufwendiger Prozess, einem Privaten einen Flüchtling zu vermitteln. Da muss vieles stimmen. Und schliesslich handelt sich ja nicht um eine Art Ferienvermittlung, sondern um Integration. Für weniger als sechs Monate lohnt sich der Aufwand nicht.

Lohnt sich der Aufwand überhaupt? Ein paar privat vermittelte Wohnungen sind bei 2800 Asylsuchenden in der Stadt doch nur ein paar Tropfen auf einen heissen Stein?

In Zahlen ausgedrückt handelt es sich bislang natürlich nur um einen kleinen Teil. Wir sind aber über jede einzelne Wohnung froh. Diese privaten Unterbringungsmöglichkeiten stellen für mich deshalb ein wichtiges Mosaiksteinchen dar. Sie sind auch, wie die vielen Hilfsangebote und Solidaritätsbekunden in den vergangenen Wochen, ein starkes Zeichen unserer Zivilgesellschaft.

Den Artikel zum Interview lesen Sie hier.